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Die Geschichte des Schlafes

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Woher kommt das Wort Schlaf?

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Anna Sedneva - fotolia.com

Das Wort „Schlaf“ ist altgermanischen Ursprungs und mit dem Eigenschaftswort "schlaff" verwandt. Es leitet sich vom Verb „schlafen ab, was“ schlapp werden bedeutet“. Im Gotischen hieß es sleps, im Alt- und Mittelhochdeutschen slaf.

Heute sagt man zu „Schlaf“ in anderen Ländern folgendes:

  • Afrikaans          slaap
  • Albanisch         gjumë
  • Dänisch             søvn
  • Englisch            sleep
  • Esperanto         dormo
  • Französisch      sommeil
  • Griechisch         ύπνος
  • Italienisch          sonno
  • Latein                 somnus
  • Niederländisch  slaap
  • Portugiesisch    sono
  • Polnisch             sen
  • Rumänisch        somnul
  • Russisch            son
  • Schwedisch       sömn
  • Spanisch            sueño
  • Tschechisch       spaní
  • Ungarisch           alszik

Das Wort der Schlaf existiert, weil es schon immer zum menschlichen und tierischen Leben dazugehörte, .schon sehr lange. „Der Schlaf“ beschreibt einen Zustand der äußeren Ruhe bei Menschen und Tieren. Während des Einschlafens lässt die Muskelanspannung nach. So fällt im Sitzen beispielsweise Kopf nach vorn. Häufig kommt es beim Einschlafen auch zu Zuckungen.

Vom Wort "Schlaf" leiten sich verschiedene Begriffe ab, die mit ihm nur indirekt zu tun haben: So verwendet man beispielsweise

Entschlafen
wird als Wort für „sterben“ verwendet

überschlafen
bis zum nächsten Tag zu bedenken,

Schläfe
der Teil des Kopfes, auf welchem der Schlafende liegt. 

Schlafmütze
Dieser aus dem 17. Jahrhundert stammende Ausdruck bezog sich ursprünglich auf die Nachtmütze, die man beim Schlafentrug und wird seit dem 18. Jahrhundert im übertragenen Sinne gebraucht.

Beischlaf
Zum „Beischlaf“ kommt es wenn Frau und Mann  miteinanderschlafen“. 

Schlummer
Im Wort "Schlummer" steckt die indogermanische WurzeL "slu“, schlaff, herabhängend

Slummern
Das Wort "slummern" (noch im englischen: to slumber) taucht erst im Mittelhochdeutschen und Niederdeutschen auf und wird im 16. Jahrhundert von Martin Luther in die Schriftsprache eingeführt

Dösen
Das Verb "dösen" " (englisch: to doze) taucht erst im 19 Jahrhundert auf und kommt aus dem Niederdeutschen ins Schriftdeutsche und wird als "gedankenlos dasitzen, halb Schlafend“ definiert. Verwandt ist es mit den Hauptwörtern "Dusel" und "Dunst.

Nickerchen
In der Umgangssprache verwendet man gelegentlich den Ausdruck "ein Nickerchen machen". "Nicken" entstammt dem Mittelhochdeutschen, wo "nücken" so viel wie "nicken, stutzen, leicht schlummern" bedeutete. 

Pennen
Wenn jemand schläft, sagt man auch "er pennt". Das Wort stammt aus der Gaunersprache und ist wohl eine Ableitung von "Penne" (= einfaches Nachtlager, Herberge). 

 

Diesen Ausführungen stand als Quelle: “Das Geheimnis des Schlafs - Neue Wege und Erkenntnisse der Forschung“ von Alexander Borbély zur Verfügung


Geschichte des Schlafes

07.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia public domain Author British Museum. Dept. of Greek and Roman Antiquities

 Der Schlaf nimmt einen großen Teil unserer Lebenszeit in Anspruch und doch wissen wir relativ wenig über ihn.

Forschungen gehen davon aus, dass der Schlaf mit der Entwicklung des Lebens außerhalb des Wassers vor 600 Millionen von Jahren entstanden ist. Zwar gibt es keine Anzeichen dafür, das Fische wie Menschen schlafen, doch zeigen auch sie Phasen geringerer Aktivität. Bei Säugetieren wie Delfinen oder Walen ist der Schlaf eindeutig nachweisbar. Auch die meisten anderen Lebewesen auf der Erde brauchen Schlaf. Wäre der Schlaf nicht für das Überleben des Menschen wichtig, hätte die Evolution den Schlaf schon lange wegrationalisiert.

Die Leute in der Antike nannten den Schlaf den „kleinen Bruder des Todes“, und das nicht zu Unrecht, denn in der Tat erscheint diese absolute Abwesenheit, in die man während des Schlafes verfällt, wie ein vorübergehender Tod. Man schlief aus diesem Grunde oft in (oder in der näheren Umgebung) von Tempeln. Man hatte Angst am nächsten Morgen nicht mehr zu erwachen. Man hielt den Schlaf für eine göttliche Fügung und hat sich deshalb nicht näher mit ihm beschäftigt

In der griechischen Antike galt Hypnos als der sanfte Gott des Schlafes und da ihm die Fähigkeit zugesprochen wurde, Götter und Menschen in Tiefschlaf zu versetzen, wurde von seinem Namen der Begriff „Hypnose“ abgeleitet.

Sein Bruder war Thanatos, der mitleidlose Gott des Todes und deshalb schrieb der römische Dichterer Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr) der Schlaf sei ein „Abbild des Todes“. "Er wohne in einer Höhle am Ufer des Lethebaches, wohin niemals die Sonne gelange."



Gaius Plinius litt an gewichtsbedingter Schlafapnoe

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia gemeinfrei

Gaius Plinius Secundus Maior, kurz Plinius der Ältere (23 n. Chr.- 79 n. Chr.) brachte seine extreme Fettleibigkeit dazu den ganzen Tag zu schlafen, während des Schlafens lärmend zu schnarchen und manchmal eine kollabierende Atmung zu haben, " als ob seine Atemwege blockiert wären“. Nur damals hat man eine Schlaf-Apnoe nicht gekannt.

Die Grundbedeutung „still sein / schlafen“ begegnet uns in der hebräischen Bibel, die etwa 1000 v. Chr. als fortlaufende Sammlung zuerst in mündlicher Überlieferungen, die dann verschriftet und vielfachvielfach überarbeitet wurde, bereits 16x in verbaler Form. Wir finden schon im Alten Testament die Mahnung: "Liebe den Schlaf nicht, dass du nicht arm werdest; lass deine Augen wacker sein, so wirst du Brot genug haben" (Sprüche 20,13).

Der antike griechische Philosoph Politiker, Redner und Dichter Empedokles (um 495 v. Chr. – 435 v. Chr.) soll den Schlaf als „Folge einer mäßigen Abkühlung der im Blut befindlichen Wärme, beziehungsweise als die Absonderung des Elements "Feuer" bezeichnet haben. 



Aristoteles erkannte den Zusammenhang von Schlaf und Gesundheit

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © wikipedia allgemeinfrei

Bereits Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte erkannte, dass Schlaf nötig ist, um den Organismus tagsüber funktionieren zu lassen.

Der chinesische Philosoph und Dichter Chuang Tzu (um 365 v. Chr.-290 v. Chr.) schrie:
„Alles ist eins. Im Schlaf ist die Seele ungestört und aufgenommen in diese Einheit.“

In den östlichen Philosophien und Religionen wurde der Schlaf als der eigentliche, wahre Zustand des Menschen dargestellt, in dem Individuum und Universum eins sind. Der chinesische Philosoph Chuang Tzu (300 v. Chr.) schrieb: "Alles ist eins; im Schlaf ist die Seele ungestört und aufgenommen in diese Einheit; im Wachen hingegen ist sie abgelenkt und sieht die verschiedenen Gegebenheiten der Welt."



Hippokrates nannte übermäßigen Schlaf als krankhaft

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Der griechischen Arzt und Begründer der Erfahrungswissenschaft Hippokrates (460-377 v. Chr.), wusste, dass der Mensch im Schlaf abkühlt, und schloss daraus, dass der Schlafzustand auf einer Flucht von Blut und Wärme ins Innere des Körpers beruhe. Er bezeichnete Schlaf und Wachheit als krankhaft, wenn sie im Übermaß auftreten; 

Von ihm stammt folgender Ausspruch.
„Wenn Schlaf und Wachen ihr Maß überschreiten, sind beide böse." Lehrsprüche II, 3“

Er stellte schon eine Beziehung zwischen der Fettleibigkeit und dem plötzlichen Tod her und bezieht sich auf die "Unterbrochene Atmung" von bestimmten Schlaftypen.
Alexander von Aphrodisias ein antiker Philosoph. (um 200 n. Chr.) proklamierte, dass der Körper durch die Ermüdung ausgetrocknet werde und dadurch an Wärme verliere, was schließlich zum Schlaf führe.
Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. formulierte der griechische Arzt und Anatom Galenos von Pergamon, auch deutsch: Galēn (ca 129 n Chr. –ca. 215 n Chr.) eine enge Beziehung zwischen Schlaf und Gehirn. Galen vermutete, dass während des Schlafens die Gehirnaktivität stark reduziert oder vorübergehend erloschen sei; der Schlaf solle dem Gehirn Erholung verschaffen und die “innere Wärme” regenerieren. 



Hildegard von Bingen: Ein natürlicher Schlaf ist das beste Mittel für gute Nerven

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Hildegard von Bingen (1098-1179) war Benediktinerin, Dichterin und eine bedeutende Universalgelehrte ihrer Zeit. Sie war Verfasserin medizinischer, naturkundlicher und mystischer Schriften, die Parallelen zwischen Schlaf und Nahrung brachte. Sie vertrat die Ansicht:
„Bringen Sie Schlafen und Wachen zur Regeneration überstrapazierter Nerven in ein ausgeglichenes Gleichgewicht Ein natürlicher Schlaf ist das beste Mittel für gute Nerven und die Voraussetzung für eine gute Gesundheit. In der Nacht wird die Gesundheit wiederhergestellt und alle Zellen, einschließlich die des Immunsystems, können sich regenerieren. „Wenn der Mensch schläft, erholt sich sein (Nerven-)Mark." Das natürliche Schlaf- und Traumtraining ist von aller größter Bedeutung für die Gesundheit, wobei die Traumqualität für die Tiefe des Schlafes verantwortlich ist.“



Laut Paracelsus dauert der natürliche Schlaf genau 6 Stunden

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

 Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim(ca.1493-1541) genannt Paracelsus, war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph.
Das Wissen und Wirken des Paracelsus gilt als überaus umfassend. Seine Heilungserfolge waren legendär, trugen ihm aber auch erbitterte Gegnerschaft durch etablierte Mediziner und Apotheker ein. Er wollte die Medizin wieder näher an die Natur heranführen und er meinte:
„Der natürliche Schlaf dauere sechs Stunden, beseitige die durch Arbeit aufgetretene Ermüdung und erquicke den Menschen.“

Er empfahl, man sollte weder zu viel noch zu wenig schlafen, sondern sich nach der Sonne richten, mit ihr aufstehen und bei Sonnenuntergang schlafen gehen
Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden.

Sehr viel später dann, im frühen Mittelalter, als man begann im Bereich der Medizin zu forschen, hat man den Schlaf ganz einfach als verlorene Zeit abgetan und ihm keine weitere Beachtung geschenkt.

Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurde für die Erklärung des Schlafs oft eine eigenartige Verbindung herangezogen. So meinte z.B. der britische Arzt und Physiologe Alexander Stuart, (1673-1742) der Schlaf sei die Folge eines Knappwerdens des "animalen Lebensgeistes" der durch Arbeit und Bewegung erschöpft und ausgezehrt werde.



Herman Boerhaave: Schlaf entsteht durch verbrauchte Hirnflüssigkeit

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Herman Boerhaave (1668 – 1738) ein niederländischer Arzt und Chemiker meinte:
“Der Schlaf komme dadurch zustande, dass die Flüssigkeit im Gehirn in ihrer Bewegung gehindert werde, sich verbrauche und deshalb feine Gefäße und Nerven, die vom Gehirn zu den Sinnesorganen und willkürlichen Muskeln zögen, nicht mehr füllen könne.“
Ähnlich dieser Theorie sind die Äußerungen des Schweizer Arztes und Naturforschers Albrecht von Haller (1708-1777) zu verstehen, der die Ansicht vertrat,  das im Kopf verdichtete Blut komprimiere das Gehirn und schneide dadurch den Weg des in die Nerven ab.
Für den deutschen Physiologen Jacob Fidelis Ackermann (1765-1815) spielte der damals neu entdeckte Sauerstoff eine besonders wichtige Rolle. Über das Blut gelange dieser ins Gehirn, wo er abgetrennt und gespeichert werde. Ermüdung führe zu einem Mangel an Lebensäther, doch im Schlaf könnten die Vorräte wieder aufgefüllt werden.

Mit der im 19. Jahrhundert aufkommenden Naturphilosophie rückten vorübergehend vermehrt mystische Konzepte in den Vordergrund. So schrieb der deutsche Professor für Physiologie Philipp Franz von Walther (1782 - 1849): "Der Schlaf ist eine Hingebung des egoistischen Seyns in das allgemeine Leben des Naturgeistes, ein Zusammenfließen der besonderen Seele des Menschen mit der allgemeinen Naturseele."
Der deutsche Mediziner Ernst Otto Heinrich Kohlschütter (1837 - 1905) veröffentlichte in der Zeitschrift für rationelle Medicin die „Messungen der Festigkeit des Schlafes“. Aus Weckversuchen beschreibt Kohlschütter eine "ideale Schlaftiefenkurve", die zu Beginn der Nacht steil abfällt und bis zum Morgen wieder abflacht.

Die Symptomatik des Schlafapnoe-Hypopnoe-Syndroms SAHS wurde erstmals 1836 in den Posthumous Papers of the Pick- wick Club von Charles Dickens beschrieben.



Marcel Proust schildert seine Gedanken zum Schlaf in "Verlorene Zeit"

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Marcel Proust (1871-1922) war französische Schriftsteller und Kritiker und der Sohn einer Arztfamilie. Er hat die Irritationen des Schlafes in seinem Hauptwerk “Verlorenen Zeit“ u.a. wie folgt geschildert:

„"... Und wenn ich mitten in der Nacht erwachte, wusste ich nicht, wo ich mich befand und deshalb im ersten Augenblick nicht einmal, wer ich war; ich verspürte nur,  ursprünglich, elementar, jenes Daseinsgefühl, wie es in einem Tier beben mag; ich war entblößter als ein Höhlenmensch; doch dann kam mir die Erinnerung - noch nicht an den Ort, an dem ich mich befand, wohl aber an einige andere, an denen ich gewohnt hatte und wo ich hätte sein können - gleichsam als Hilfe von oben her, um mich aus dem Nichts zu ziehen, aus dem ich von selbst nicht herausgefunden hätte; in einer Sekunde überflog ich Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte, und die verschwommen und flüchtig geschauten Bilder von Petroleumlampen und von Hemden mit Umlegekragen fügten nach und nach die originären Züge meines Ich wieder zusammen."

Der französische Arzt Jean-Baptiste-Edouard Gélineau (1828-1906) gilt als einer der Entdecker und Namensgeber der Narkolepsie. 1878 beschrieb er erstmals einen solchen Patientenfall.
Der Arzt und überzeugte Naturheilkundler  Hermann  Fischer veröffentlichte 1896 einen Schlafratgeber, der eindringlich vor chemischen Schlafmitteln warnte und einen Medikament freien Ansatz aus den „drei Faktoren“ Wasser, Luft und Bewegung. Dabei basiert seine Behandlungsstrategie vorrangig auf seinen Erfahrungen und diätetischen Strategien und nicht auf neuartigen chemischen Mitteln.



Emil Fischer: Erfinder der Schlaftablette

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Im Jahre 1902 wurde von Emil Fischer (1852 - 1919) – Chemiepreisträger von 1902 - und dem anerkannten Kliniker Joseph von Mering das „Veronal“ erfunden. Weil von Mering, der das Mittel auf einer Bahnreise von Berlin nach Basel einnahm, angeblich erst in Verona wieder erwachte und ihm die Stadt so gut gefiel, bekam das Medikament den klangvollen Namen Veronal. Am 31. Juli 1903 kommt die "Veronal" getaufte Schlaftablette von der Firma Merck KGaA einem deutschen Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie auf den Markt. Aber schnell zeigt sich, dass der laut Werbung "erquickende Schlaf ohne lästiges Aufwachen" etliche Nebenwirkungen nach sich zieht. Es dauert Tage, bis Veronal im Körper abgebaut ist. Berichte über Suchtverhalten und Selbstmorde häufen sich. Auch die bald eingeführte Rezeptpflicht kann daran wenig ändern. Obwohl die Barbiturate nach dem Zweiten Weltkrieg unter Medizinern in Verruf geraten, geht Veronal noch bis Anfang der 60er Jahre in der Bundesrepublik über die Ladentheken. 



Sigmund Fraenkel arbeitete an einem "idealen Schlafmittel"

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Bis zur Jahrhundertwende gab es gut zwei Dutzend Stoffe zur Herstellung von Schlafmitteln. Der österreichische Chemiker und Pharmakologe Sigmund Fraenkel (1868 – 1913)  verglich ihre Strukturen, suchte nach „hypnophoren“ Gemeinsamkeiten, war bemüht, „toxikophore“ Strukturelemente zu eliminieren und skizzierte schließlich einen hypothetischen Bauplan für ein „ideales Schlafmittel“: ein an einem Kohlenstoffatom mit zwei Ethylgruppen beladener, ansonsten physiologisch völlig indifferenter Kern.
Im Jahr 1893 erschien im satirischen Magazin „Münchner Bilderbogen“ eine Karikatur, die auf das Problem des Schnarchens hinwies.

Der französische Wissenschaftler und  Psychologe  Henri Louis Charles Piéron (1881 – 1964) veröffentlichte 1913 das Buch „Le probleme physiologique du sommeil“, welches die erste Publikation war, die den Schlaf unterphysiologischen Gesichtspunkten untersuchte.  



Hans Berger nahm erstes EEG am Menschen vor

15.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia: gemeinfrei

Die Geburt der modernen Schlafforschung begann durch die Entdeckung der elektrischen Aktivität des Gehirns durch den Arzt Richard Caton (1842 - 1926) in Liverpool. Er registrierte 1875 erstmals elektrische Aktivität von der Hirnrinde von „Tieren“. Dies war der erste Schritt zur Elektroenzephalographie (EEG). Erst über 50 Jahre später, im Jahre 1924 nahm der Jenaer Neurologe und Psychiater Hans Berger (1873 - 1941)   an der Universität Jena die ersten Elektroenzephalographien des „Menschen“ vor. Die 1929 publizierte Arbeit nahm auch die populärwissenschaftliche Presse wahr und die Zeitschrift „Kosmos“ meldete 1930. „Er hat [...] bei Menschen mit Schädellücken Nadelelektroden an der Lücke angesetzt und mit einem hochempfindlichen Galvanometer verbunden, wobei er eine regelmäßige Kurve erhielt“.

Von nun an war das Aufzeichnen von Hirnstromkurven mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) möglich und erst da entdeckte man den großen Zusammenhang zwischen Schlaf und Gesundheit, denn der Schlaf ist keineswegs ein absolut passiver Vorgang, denn in unserem Körper und unserem Gehirn laufen eine ganze Menge komplizierter Vorgänge ab.

1936 entwickelte Alfred Lee Loomis (1887 - 1975 )der aus einer Arztfamilie stammte aber ein US-amerikanischer Anwalt, Investmentbanker und Erfinder war mit Edmund Newton Harve EEG- Techniken und dokumentierte Veränderungen hirnelektrischer Wellenaktivität in Abhängigkeit der Schlaftiefe und er begann den Schlaf in Stadien zu unterteilen.

Im Jahre 1949 begann sich der Internist Rudolf Baumann (1911-1988) für den Schlaf als Therapeutikum für sogenannte Psychosomatische Krankheiten zu interessieren.

Die intensivere naturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Schlaf" begann erst im Jahre 1953, als der amerikanische Schlafforscher Eugene Aserinsky ein Doktorand bei Professor Nathaniel Kleitman an der University of Chicago die bahnbrechende Entdeckung des REM-Schlafs beschrieb. Er ist nach den schnellen Augenbewegungen benannt, auf Englisch Rapid Eye Movements, die in dieser Schlafphase vorkommen.
Das Forschungsteam entdeckte in dem von ihnen eingerichteten Schlaflabor in Chicago, das unser Schlaf ist nicht während der gesamten Zeit gleich tief ist, sondern in Phasen verläuft die sich die sich während der Nacht mehrmals wiederholen.
Heute werden vier bis fünf Schlafstadien unterschieden, Die Schlafstadien 1 - 4 werden häufig als "Non-REM-Schlaf" zusammengefasst und dem REM-Schlaf gegenübergestellt. 
Der REM-Schlaf wird daher als paradoxer Schlaf bezeichnet, da die Muskeln bis auf kleinere Zuckungen entspannt, aber andere Körperfunktionen aktiv sind. Während der Nacht wechseln sich mehrfach Phasen des REM-Schlafes und des Non-REM-Schlafes ab.

1960 wurde von William Charles Dement (geboren 1928), einem Schlafforscher in den USA  die erste Klinik für Schlafstörungen an der Stanford-Universität in Kalifornien eröffnet und das erste klinische Schlaflabor in den USA eingerichtet. 

"Warum wir schlafen, ist vielleicht die größte offene Frage der Biologie", glaubte der Psychiater und bekannter Pionier  auf dem Gebiet der Schlaf Forschung Allan Rechtschaffen (geboren 1928) aus Chicago und er startete die ersten Laboruntersuchungen von Schlaflosigkeit , Narkolepsie, Schlafapnoe und Nickerchen. Er hat die Auswirkungen des Schlafs auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, auf Stress und auf den Stoffwechsel untersucht und sich außerdem auch mit den Auswirkungen von Schlafentzug befasst. 1968 erstellte eine Kommission unter seiner Leitung zusammen mit und Antony Kales die ersten Richtlinien zur Aufzeichnung und Auswertung des Schlafes erstellt. Die internationale Verbreitung erfuhren und in nur leicht veränderter Form noch heute Gültigkeit haben.

1975 gründete sich in den USA der „ASDC“  (Association of Sleep Disorders Centers) mit der Aufgabe die Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen durch Definition von Standards zu verbessern. 

1987 wurde in Deutschland die „AKS“ (Arbeitsgemeinschaft Klinischer Schlafzentren) gegründet, bei der die Schwerpunkte denen der ASDS glichen. 1992 erfolgte die Umbenennung zur Arbeitsgemeinschaft in der DGS (Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin) Heute hat die DGSM mehr als 2.000 aktive Mitglieder.

Schnell wurde jedoch allen Beteiligten klar, dass die Behandlung von Schlafstörungen  nur fachübergreifend von Internisten, Neurologen, Psychiatern, Psychologen und HNO-Ärzten möglich ist.
Der deutsche Psychologe und Schlafforscher Jürgen Zulley (geboren 1945) ist außerplanmäßiger Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg und war vor seinem Ruhestand Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg. Er führte Diagnose und Behandlungen von Schlafstörungen durch, ist Begründer der Schlafschule und engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit.
In den letzten 100 Jahren haben wir mehr über den Schlaf erfahren als in den 6000 Jahren davor.

Bedenken wir, das der Schlaf ist zu schön, um ihn allein den Schlafforschern und -Medizinern zu überlassen.” 
Allerdings sind wir modernen Menschen nach wie vor über die Tatsache beunruhigt, das der Schlaf sich nach wie vor unserer Kontrolle entzieht. Wir können ihn nicht herbei beordern, sondern er muss über uns kommen, von selbst, ganz ohne Willenskraft und Anstrengung.



Kulturgeschichte des Schlafzimmers

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © „Thamamegos“ © Wikipedia gemeinfrei

Rund ein Drittel eines Tages verbringen wir mit Schlafen. Damit ist das Schlafzimmer der meist genutzte Raum und doch wissen wir über die kulturellen und geschichtlichen Aspekte wenig, da alles was damit zusammenhängt als sehr persönliche und intime Angelegenheit angesehen wird und Forschungen und Aufzeichnungen zu diesem Thema rar sind.

Das Schlafzimmer ist das Zimmer einer Wohnung oder eines Hauses in dem dessen Bewohner schlafen. Es zählt zu den privatesten Räumen eines Hauses. Dort lassen die Bewohner alle Masken fallen und zeigen ihre wahre Persönlichkeit. Mit verschiedensten Accessoires wie Fotos, Bilder usw. gestalten die Bewohner eine Welt, zur der nur ganz wenige Zutritt haben. 

Das Schlafzimmer spiegelt als intimer Raum, die Ansichten und die Individualität der Bewohner wieder. Wo und wie geschlafen wird, bzw. was als angemessen gilt, ist gesellschaftlich vorgegeben und durch Selbstkontrolle – dem Schamgefühl – geregelt. „Das peinlich Gewordene wird hinter die Kulissen des gesellschaftlichen Lebens verlegt“.
Heute ist es der einzige Raum, der bei vielen Menschen für Gäste tabu ist. Führt man durch eine Wohnung, wird die Schlafzimmertür bestenfalls für Sekunden geöffnet. Die Scham, den Ort des Ausruhens und des sexuellen Umgangs zu zeigen, ist aber historisch jung.

Früher sah das ganz anders aus, denn die Kulturgeschichte des Schlafraumes ist auch die Kulturgeschichte der Menschheit, denn sie zeigt auf wann wo und wie sich Menschen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten schlafen legen beziehungsweise gelegt haben

Adam und Eva lagen im Garten Eden auf dem Boden und waren nur mit einem Feigenblatt zugedeckt und nach der Sintflut schliefen die Menschen zunächst auf dem Erdreich. Hier waren Bett und Bettboden noch eins. 
Die Neandertaler bauten sich ihre Lagerstätten bevorzugt unter Felsunterhängen, wobei sie ihren Schlafplatz mit Holz sowie Steinen umgaben und diese mit Tierhäuten und Gras respektive Heu auskleideten. 
Die gesamte Sippe schlief nah beieinander - meistens ums Feuer herum und um sich gegenseitig Schutz und Wärme zu geben. Der Urmensch war als Rudeltier seit jeher gewohnt, in Gruppen zu schlafen. 
Dann wurden die Schlafstellen anspruchsvoller, aber Moos Grad und Reisig blieb zunächst das Polstermaterial und erlaubte es den Menschen sich bewusst oder unbewusst schon körpergerecht zu lagern und zum anderen waren diese Materialien wegen der Reinhaltung schnell auszuwechseln. Aber Essen, Leben, Schlafen fanden in einem Raum statt und mehrere Generationen teilten sich meist eine Hütte und somit auch eine Schlafstelle.
Die erste eigentliche Schlafstätte wurde in Arcy-sur-Cure in Frankreich ausgegraben. Sie ist 130.000 Jahre alt und befand sich in einer aus Latten gebauten Höhle, ausgepolstert mit getrocknetem Seegras und mit Streu bedeckten Tierhäuten. 
In den ersten Epochen der Menschheit war damit ein separater Schlafraum unbekannt.

In der Zeit ca. 3000 v. Chr. gab es in Mesopotamien bei den einfachen Leuten schon Schlafzimmereinrichtungen mit Truhen, Körben und niedrigen Betten, auf denen Spreu und Stroh die Matratze bildeten.

Besondere Schlafzimmer kannte man dagegen in Persien (550 v. Chr.- bis 330 v. Chr.) nicht, ebenso wenig Betten. 

Im antiken Ägypten  ca. 3150 v. Chr. – 650 n Chr.) lassen sich zwei Haustypen unterscheiden. Im sogenannte „Hofhaus“ gab es keinen Raum, der als Schlafzimmer, oder Wohnzimmer bezeichnet werden könnte. In den meisten Räumen wurde gelebt, geschlafen und gearbeitet. 
Das sogenannte „Dreistreifenhaus“ war eher typisch für eine gehobene Gesellschaftsschicht und hier wurde bereits zwischen einem offiziellen und einem privaten Bereich unterschieden, in dem der Hausherr sogar ein eigenes Schlafzimmer hatte.

Übrigens schliefen die Ehepaare in der ägyptischen Mittelschicht in getrennten Schlafzimmern.
König Ptolemaios IV. (245 v. Chr. - 204 v. Chr.) war von 222 bis 204 v. Chr. Pharao (König) von Ägypten und ließ das „Thamamegos“, ein 115 m langes, ca. 14 m breites und ca. 20 m hohes prunkvolles Nilschiff anfertigen. Es handelte sich um eines der größten Schiffe der Antike und ist von antiken Beschreibungen bekannt, wonach es Prunksäle und bereits Schlafräume enthielt.



Den Griechen verdanken wir die Bezeichnung „Kammer“ für das Schlafzimmer

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Schlafzimmer im alten Griechenland ©Wikipedia gemeinfrei

Das antike Griechenlands (ca.750 v.Chr. bis 146 v. Chr.) hat die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt und ihm verdanken wir Bezeichnung „Kammer” (kamára) für das Schlafzimmer.
Im römischen Reich (600 v. Chr - 500 n. Chr.) entwickelte sich das Herrenhaus (Domus) ein einfaches Atriumhaus. Da viele Römer sehr beengt wohnten, mussten sie ihre Zimmer zu mehrerlei Zwecken benutzen wie zum Wohnen, Schlafen, Essen, Kochen und manchmal auch zum Arbeiten. 

Im typischen römischen Schlafgemach wurde, selbstverständlich im Liegen, mit Freunden oder Geschäftspartnern gespeist, geredet, nachgedacht.
Die „Cubiculum“, meist ein Nebenraum des Atriums, war das Schlafzimmer des römischen Hauses und ebenfalls sehr spartanisch ausgestattet. Zum Abstellen der Sandalen lag vor dem Bett ein "cubile" (Matte oder Teppich), unseren heutigen Bettvorlegern ähnlich. Die am Tag getragene Kleidung legte man über einen Stuhl und die übrigen Kleidungsstücke wurden in einer Truhe aufbewahrt. Ganz wichtiger Einrichtungsgegenstand im Schlafzimmer waren Nachttöpfe oder -stühle. 
Von Hostius, einem reichen römischen Wollüstling zurzeit Kaiser Augustus. (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) wird berichtet, dass seine Wände im Schlafzimmer mit Spiegeln bedeckt waren und er sich eines Vergrößerungsspiegels bediente um sich an den Reflexen des Geschlechtsaktes zu erfreuen.
Er pflegte zu sagen. „ Wenn alle Teile meines Körpers in Lust schwelgen sollen meine Augen auch einen Genuss haben“.



Im Mittelalter nächtigten alle zusammen in einem Raum

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © „Marksburg 13. Jh. Kemenate.jpg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2. Urheber Franzfoto

Im Mittelalter – wir sprechen hier über einen Zeitraum von etwa vom "Untergang des Weströmischen Reiches" in der Mitte des 5. Jahrhunderts, bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, dem "Zeitalter der Entdeckungen und Erfindungen", also einem Zeitraum von ca. 1000 Jahren. Um diese Zeit gab es in den Städten Deutschlands nur wenige aus Stein gebaute Häuser. Die Häuser der reicheren Stadtbürger sahen anders aus als die der einfachen Handwerker. 
Die Mitglieder einer Lebensgemeinschaft lebten überwiegend in Häusern mit meistens ein, seltener mit bis zu drei Räumen, von denen noch einer mit dem Vieh geteilt wurde. Der eine Raum war für die häusliche Arbeit, für die geselligen Zusammenkünfte, als Ess- und Trinkstube und zugleich als Schlafzimmer und zwar für beide Geschlechter, für die Frauen und für die Mägde, für die Herren und ihre Knechte.
Der bäuerliche Haushalt war meist ein Familienbetrieb, den eine um Gesinde und Gesellen erweiterte Kernfamilie bildete. Die mittelalterliche Wohnung war um den Herd, der einzige Wärmequelle im Haus aufgebaut und somit war die Küche Mittelpunkt des Lebens und alle schliefen dem Klima entsprechend um den Ofen.
Handwerker und Tagelöhner schliefen im Wohnraum, der meist zugleich als Küche diente. Dienstboten verfügten häufig sogar schon über eine eigene kleine Kammer, in die sie sich zurückziehen konnten. 
Das Nebeneinander von Schlafen, Kochen, Körperpflege und Arbeit verschiedener Personen war völlig normal. Das allerdings war nicht gerade sehr hygienisch und es wurden einige Krankheiten verbreitet, die zu wahren Epidemien führten.
Es war üblich, dass sich mehrere Personen eine Lagerstatt teilten. Die Unterschicht (Bauern, Arbeiter) schliefen in gemeinsamen Schlafräumen und so teilten sich Familien mitsamt Kindern, Onkeln und Tanten, Dienern, Gesinde und Leibeigenen das Lager. So war es üblich, dass vor allem Kinder im Bett der Eltern übernachteten. Vor allem in kalten Nächten brauchte man Wärmeflaschen, oder die Kinder legten sich beidseits der Großmutter um sie zu wärmen.
Nur Personen die viel Geld besaßen, konnten sich ein Schlafzimmer leisten. Dieser Raum, das Schlafzimmer, hatte zu dieser Zeit einen hohen Wert und somit Bedeutsamkeit. Daraus folgt, wer ein Schlafzimmer besaß, hatte auch somit die Macht gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen.

Das Bett diente nicht nur dem verheirateten Paar als Schlafplatz, sondern auch dessen Kindern. Für uns unbegreiflich ist die Tatsache, dass das Bett auch den Geschwistern, den Dienstboten und gar Fremden angeboten wurde. Daraus resultierte wohl ein Aufruf wider die Unzucht: "Wolle Gott, dass es Brauch in Frankreich werde, Kinder in ihrem Bettchen allein schlafen zu lassen, oder allenfalls Brüder und Schwestern miteinander, wie es in Flandern der Brauch ist."
Die Schlafstätten der Pagen umgaben das Bett des Ritters und sie waren ihm mit dem 
Kopfende zugewandt. Im "Roman de Tristan" von Béroul (ca. 1175) begibt König Artus sich in Gesellschaft seiner Ritter und Vertrauten zur Ruhe.

In dem Ende des 11. Jahrhunderts rekonstruierten Kloster Cluny wurden zwei Schlafzimmer für Gäste hergerichtet, davon eines mit 40 Strohsäcken für die Männer und eines mit 30 Strohsäcken für die Frauen.
Die Mönche  hatten im Mittelalter zwar Einzelbetten, sie waren jedoch im gemeinsamen Schlafsaal, um die Bettstatt des Abts angeordnet, so dass dieser verfolgen konnte  ob die Vorschriften und Regeln von Sitte und Anstand gewahrt wurden. Der heilige Benedikt riet seinen Mönchen, voll angekleidet und mit zugeschnürtem Gürtel im Einzelbett zu nächtigen. Diese Vorschrift verbannte die Mönche auf frostige Pritschen oder Wandbänke. 
Auf der Burg Reifenstein bei Sterzing ist der Schlafstall der Knappen mit mehreren Bettkisten in den fünf bis 6 Personen schliefen noch gut erhalten. 
Das änderte sich Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert. Ab dann waren auch die Bett- oder Schlafkammern bereits mit einer gewissen Bequemlichkeit ausgestattet. Meist stand das zweischläfrige Ehebett in der Kemenate, und sie diente bei Tage als Aufenthaltsort für die Schlossherrin.
Später wurden zunächst in höfischen Kreisen die Schlafzimmer nach Geschlechtern getrennt, der Herr schlief in der Mitte seiner Diener, die Frau unter ihren Weibern und Mädchen. Geschlafen wurde in ungeheizten Räumen, daher waren zum Kälteschutz (auch Schutz gegen Ungeziefer) die Betten sehr hoch (Abstand zum kalten Boden) und mit einem Holzgestell für einen Baldachin.
 Im 12. und 13. Jahrhundert zählten Betten zum Standardmobiliar der Herrenhäuser und Schlösser, obwohl separate Schlafzimmer noch keineswegs üblich waren. Für die breite Masse der Bevölkerung waren solche Betten purer Luxus. Sie konnten sich ein eigenes Bett nicht leisten, und so war es aus Gründen der Wärme sehr praktisch, wenn viele beieinander lagen. 

Das Durcheinander in Palästen wie Hütten war groß. Das kollektive Schlafen war bei allen Ständen zunächst gleich. In Nischen, die längs der Küche angeordnet waren, schliefen die Bauern jeweils zu mehreren in einem Bett. 



Der Alkoven auf dem Vormarsch

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © ©: Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum, 24113 Molfsee, Foto: Beate Czerwinski

Der „Alkoven“ kam auf. Dieser Begriff wurde in die europäische Baukunst übernommen und man bezeichnete damit einen klar abgetrennten fensterlosen zum Schlafzimmer bestimmten Nebenraum mit nischenartigem Anschluss an ein größeres Zimmer. 
Alkoven befanden sich zumeist in den Trennwänden zwischen den einzelnen Kammern (quasi als Wandschränke) und sie wurden früher oft über den Tierställen untergebracht waren (Tiere strahlen Wärme ab). In niederdeutschen Bauernhäusern im 13. -15. Jahrhundert konnten Alkoven meist in der unbeheizten Stube sowie in den Hausnischen zwischen Diele und Wohnteil nachgewiesen.
Die fest eingebauten Alkoven (Wandbetten) wurden mit Vorhängen, Schiebetüren oder Klapptüren verschlossen. Unter der Schlafebene befand sich meist noch ein Vorratsfach. 
Die erwachsenen Bewohner schliefen jeweils zu zweit in den Alkoven. Dies galt für alle, also sowohl für den Bauern als auch für Knechte und Mägde werden.
Ein solcher vornehmer Alkoven ist auch in der Kammer des Königs von Schweden, Karls IX. (1550-1611) auf Schloss Gripsholm erhalten, ein eingebautes Nischenbett mit bemalten Vertäfelungen. 
Der Begriff „Alkoven“ ebenfalls im adligen Schlossbau in Frankreich/Paris im 17- Jh. im Gebrauch und bezeichnete in einem Schlafzimmer den abgesonderten kleineren Raum, in dem das Bett stand.
Aber miteinander ins Bett gehen und miteinander schlafen lag damals noch weit auseinander. Wer Kleidung anbehielt, signalisierte damit ganz klar, dass er nicht die Absicht hatte, sich im Bett anderem hinzugeben als dem Schlaf. Als der Ritter Lanzelot bei einer Dame übernachten musste, die sich in ihn verliebt hatte, behielt er einfach sein Hemd an, um wortlos mitzuteilen, dass er ihre Neigungen nicht teilte.
Nacktheit war nicht für eine Frage der Moral. Die ganze Familie schlief nackt in einem Raum, oft in einem einzigen Bett. Es war selbstverständlich, dass Gäste beiderlei Geschlechts in Herbergen mit anderen, ihnen fremden Gästen das Bett teilten. Hätte sich ein Gast geweigert, oder seine Kleider nicht abgelegt, so wäre er in den Verdacht geraten, krank oder missgestaltet zu sein.
Die Privatsphäre gewann später zunehmend an Bedeutung. Das Bett verschwand aus dem Wohnzimmer und wurde in einem abgetrennten Schlafzimmer versteckt. Das Doppelbett kam auf und führte zunächst nur die Wohlhabenden nachts wieder zusammen. Heute ist es aus der Partnerschaft kaum mehr wegzudenken und vorwiegen auf westliche Kulturen begrenzt.
Früher schliefen die Menschen, wie bekannt, meist zu mehreren in einem Bett. Generell war das Schlafen in Gruppen vom Urmenschen bis zum modernen Menschen die Regel. Im späten Mittelalter veränderten sich langsam die Schlafgewohnheiten, man erkannte, dass auch in der engsten Partnerschaft jeder Mensch eines gewissen Freiraums bedarf, denn in Bauern- oder Bürgerhäusern, auf Burgen und Schlössern hatte jeder hatte seine eigene Schlafkammer. In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu wissen, dass das Wort "Beischlaf" daher rührt, dass man dazu das Schlafgemach des Partners aufsuchen musste.
Die Anfänge einer verstärkten innerhäuslichen Differenzierung fand man eher in den Machtzentren, den Städten und Höfen, die Schlafräume der französischen Könige werden zu einem Modell. Bald übernehmen wohlhabende Stadtbürger ähnliche Raumdifferenzierungen, kennen jetzt auch ein Zimmer der Dame oder des Herren. Die ländlichen Bezirke wandeln sich dagegen viel langsamer.
Während der Epoche des Barocks (etwa von 1575 bis 1770) diente das Schlafgemach, wenn es denn eines gab, keineswegs als privater Bereich, auch nicht für Könige oder Kaiser. In dieser Zeit wandelte sich die gesamte Einstellung der Natürlichkeit. Plötzlich war es nicht mehr sittsam, sondern sündhaft offene Sexualität zu leben. Eltern sollten sich nicht mehr nackt vor ihren Kindern zeigen und somit wurde auch das gemeinsame Schlafen unterbunden.
Allmählich stieg der Luxus, die Ausstattungsstücke der Betten vermehrten sich. Die großen Gemeinschaftsbetten verschwanden, ins Zentrum des Raumes rückt ein riesiges, erhöhtes Paradebett, in dem ein einziger (wohlhabender) Mensch thronte. Dieses diente nicht zum Schlafen, sondern sie waren nur zur Repräsentation aufgestellt. Dort wurden diejenigen vornehmen Personen, namentlich fremde Gesandte, empfangen, welche zwar nicht zum Betreten des Schlafzimmers berechtigt waren, aber doch vor den übrigen Höflingen ausgezeichnet werden sollten.
Die Barockzeit entstand das Parade-Schlafzimmer und dies wurde immer mehr zum Statussymbol, Repräsentationsobjekt und gesellschaftlichen Treffpunkt. Es war nicht ungewöhnlich, dass die Herrscher Delegationen im Schlafzimmer empfingen.

Als Paradezimmer bezeichnete man eine Abfolge von Räumen in Schlössern und Residenzen, die hauptsächlich der Repräsentation dienten und in der Regel nicht oder nur selten bewohnt wurden.
Das Paradeschlafzimmer der Reichen mit seiner prächtigen Ausstattung diente – wie ein historischer Bericht überliefert – "nur zur Pracht, nicht zu den Bequemlichkeiten der Ruhe". Es war ausschließlich als "Schauraum" gedacht.



König Ludwig XIV Frankreichs berühmtester Herrscher galt als ausgesprochener Bett-Anbeter

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Quelle: Wikipedia GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 o

König Ludwig XIV (1638 - 1715) Frankreichs berühmtester Herrscher galt als ausgesprochener Bett-Anbeter. Fast ebenso berühmt wie er selbst war sein üppig ausgestatteter Liege-Tempel in Versailles. Der Schlafraum bildete nicht nur die räumliche Mitte des Palastes, sondern das Herrschaftszentrum des Königreichs. Das morgendliche "Lever du Roi" - der Empfang durch seine noch im Bett ruhende Majestät, war das wichtigste gesellschaftliche Ereignis des Tages und wurde zum berüchtigten Staatsakt.
Françoise d'Aubigné, Marquise de Maintenon (1635 - 1719) die zweite Gemahlin des Königs empfing in ihrem Schlafgemach nicht nur Ludwig XIV., sondern auch Minister, Bischöfe und Generäle zu politischen Besprechungen.

Es ist überliefert, dass er täglich gegen 8 Uhr morgens nacheinander seine Familie, diverse Adlige, seine Leibärzte sowie Minister und Staatssekretäre empfing, während er selbst noch im Bett lag, sich ankleidete und frühstückte. Seine Majestät war also auch im Schlafgemach immer im Dienst.
Niemals zuvor, aber auch nie mehr danach, hat die Repräsentation in einem Bett solche Ausmaße erreicht. 
Das „Chambre de la Reine“ war das Paradeschlafzimmer der französischen Königinnen. Im Gegensatz zum König verfügten sie nie über ein anderes offizielles Schlafgemach als dieses. In diesem Salon schlief die Königin von Frankreich und wurde an manchen Abenden von ihrem Gemahl aufgesucht. Königin Marie-Thérèse bewohnte das Paradeschlafzimmer vom Tag des offiziellen Umzugs des Hofes nach Versailles in 1682 bis zu ihrem Tod am 30. Juli 1683. Danach bezog die Dauphine Marie Anne Christine de Bavière das Gemach, bis 1690, als auch sie starb.
Es folgte deren Schwiegertochter Marie-Adélaïde de Savoie bis zu ihrem Tod in 1712.
Die nächsten Bewohnerinnen waren die beiden Königinnen Marie Leszczynska von 1725 bis 1768 sowie Marie Antoinette von 1770 bis zum 6. Oktober 1789. Marie Antoinette hatte das Schlafgemach bereits bezogen, als sie noch Thronfolgerin war, da ihre Vorgängerin bereits verstorben war.
Überdies fanden im Paradeschlafzimmer die öffentlichen Geburten von 19 Königskindern statt.
In der Renaissance, der europäische Kulturepoche hauptsächlich des 15. und 16. Jahrhunderts begann die prunkvolle Ausstattung der Schlafzimmer. Es begann die große Zeit der Bettenherrlichkeit. Das Bett trat seit dem 16. Jahrhundert als ausgesprochenes Prunkmöbel an die Spitze der Möbelgattungen, es wurde zum zentralen Möbel der Schlafkammer und zum festen Bestandteil der Raumarchitektur, wie das Bild von Marie Antoinette ( 1755-1793) Gemahlin Ludwig XVI zeigt.    
Links- und rechtsseitig des Paradebettes befinden sich je eine Geheimtür, die in das Petit Appartement de la Reine führen. Durch die linke Tür konnte Marie Antoinette am 6. Oktober 1789 vor der ins Schloss eindringenden, mordenden Menschenmasse fliehen.
Mit der neuen Auffassung von Individualität, verschwand das gemeinsame Schlafen. Wirkliche Privatheit und Intimität boten aber auch die Schlafgemächer jener Zeit auch noch nicht. Besonders in der höfischen Gesellschaft diente das Schlafzimmer nicht nur der nächtlichen Erholung, sondern auch als prunkvolles Empfangszimmer. Prunkbetten hatte in der Regel in den Haushalten nur die Funktion, dass der Hausherr darin oder jedenfalls in dem Zimmer dieses Schaubettes seine Gäste empfing, aber es wurde nur selten zum Schlafen benutzt.
Der 30jährige Krieg (1618-1648) der zu großen Zerstörungen führte, setzte dieser Epoche des bürgerlichen Wohlstandes in Deutschland ein Ende. Das Deutsche Reich erlebte einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verfall.
Friedrich August I. von Sachsen (1670 –1733), häufig August der Starke genannt, Kurfürst von Sachsen und König von Polen galt als eine der schillerndsten Figuren höfischer Prachtentfaltung des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Es war, wie bekannt, Tradition in der fürstlichen Hofhaltung, dass man in einem Paradeschlafzimmer vor einem Paradebett besonders geehrte Gäste empfangen hat
Rokoko (1720 – 1770) war die letzte auf Prachtentfaltung ausgerichtete Epoche. Nach dem Tod von Ludwig XIV. begann ein Leben voller gesellschaftlicher Veränderungen. Das strenge prunkvolle Zeremoniell des Barock wurde gelockert. Die Erben Ludwig XIV. waren es leid, immer mit Pomp und Erhabenheit repräsentieren zu müssen. Es galt nun nicht mehr nur die repräsentativen Säle prunkvoll auszustatten; man hatte auch Wohnräume mit Ankleidezimmern und Bibliotheken, Arbeitszimmer, Boudoirs und Schlafzimmer. Privater und öffentlicher Bereich wurden getrennt
Seit dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts änderte sich die Ausgestaltung des höfischen Schlafzimmers in auffälliger Weise. Zwar gibt es schon früher, neben dem offiziellen Paradebett im Appartement de Parade, noch ein kleineres, weniger aufwendiges Bett im Appartement de commoäite ou prive, aber mit Einführung des lit ä la polonaise erhält auch das offizielle Schlafzimmer des hohen Adels privateren und intimeren Charakter.  



Karl Albrecht von Bayern folgte auch dem französischen Hofzeremoniell

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Dieses Bild basiert auf dem Bild „Schlafzimmer, Residenz München.jpg „aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und ist gemeinfrei. Der Autor ist Gryffindor.

Karl Albrecht von Bayern ( 1697 - 1745) aus dem Hause Wittelsbach war von 1726 bis 1745 Kurfürst und Herzog von Bayern sowie ab 1742 als Karl VII. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er folgte dem. Zum Zeichen seines hohen Ranges wurde das Paradeschlafzimmer mit besonders kostbaren und teuren Lackmöbeln eingerichtet, die Kurfürst Karl Albrecht bei den französischen Kunstschreinern Bernard Vanrisamburgh und Antoine-Robert Gaudreaus in Paris bestellte. Eine geschnitzte Balustrade, geschmückt mit den bayerischen Löwen, teilt den Raum in den Bereich des Hofstaats und den Bettalkoven des Kurfürsten.  



Ludwigs II. war ein großer Liebhaber von Paradeschlafzimmern.

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASchlossHerrenchiemseeParadebett.jpg

In Herrenchiemsee steht mit eines der prächtigsten und teuersten Schlafzimmer Europa, welches entsprechend dem Möblierungsplan des Architekten Georg Dollmann von 1879 eingerichtet wurde. Ludwig II. wollte mit dem Paradeschlafzimmer ein Denkmal für Ludwig XIV. und das absolutistische Königtum setzen. Doch übernachtet hat er dort nie. Bei der Restauration 2011 haben alleine allein die Textilien, die Bildhauerarbeiten und die Vergoldungen für Bett und Baldachin rund 300.000 Mark gekostet Umgerechnet sind das etwa drei Millionen Euro.
Mit seinem Schlafzimmer in Schloss Neuschwanstein treib er es er auf die Spitze. Es ließ 4 Jahre lang an einem Schlafzimmer bauen, bei dem das Bett ei in Form einer Kathedrale steht. Es soll eine Million Mark gekostet haben und am Dekor werkelten 14 Schnitzers mehr als vier Jahre lang. König Ludwig ließ sein Schlafzimmer 1884 erweitern und neu gestalten, erlebte aber die Fertigstellung nicht mehr. Das heutige Bett hat vermutlich aus diesem Grunde am Fußteil lediglich einen optisch unbefriedigenden horizontal-linearen Abschluss.



Schlafzimmer in Schloss Linderhof

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Dieses Bild basiert auf dem Bild „Schloss Linderhof (Schlafzimmer).jpg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter Public Domain. Der Urheber des Bildes ist Karl Gritschke.

In Schloss Linderhof ist das Schlafzimmer in dem verhältnismäßig kleinen Gebäude ein verblüffend großer Raum, dessen hinterer Teil durch eine geschnitzte Balustrade eingefasst ist. Im Zentrum dieses Bereichs steht unter einem Baldachin das riesig wirkende Bett in Ludwigs Symbolfarbe Blau. Die überbordende, teil vollplastische Goldstickerei mit Ornamenten und Putten auf den sechs Stoffbahnen macht diesen Teil des Schlafzimmers zum aufwändigste gestalteten Bereich des ganzen Schlosses.
Das Paradeschlafzimmer der Reichen mit seiner prächtigen Ausstattung diente – wie ein historischer Bericht überliefert – "nur zur Pracht, nicht zu den Bequemlichkeiten der Ruhe". Es war ausschließlich als der Ruhe". Es war ausschließlich als "Schauraum" gedacht.

Die letzten Schlafkommunen lösten sich Ende des 18. Jahrhunderts auf, als eine Revolution durch die Betten fegt: die Hygiene. 



Schlafzimmer der Königin Luise

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Potsdam

Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von Preußen, (1776 – 1810) wurde nur vierunddreißig Jahre, vier Monate und neun Tage alt. Das Schlafzimmer der Königin wurde von Karl Friedrich Schinkel im Jahre 1810 in Schloss Charlottenburg in Berlin entworfen und auf dieser Grundlage erst nach dem Tode von Luise gebaut.
Das Bett wurde in einer Zeit entwickelt, als das Schlafgemach ein ebenso wichtiger Raum wie der Hauptsaal war, da er nicht nur als ein Raum zum Schlafen, sondern auch für den Empfang von Besuchern diente.



So schlief Napoleon

21.03.2015 von Joachim Becker

Auch Napoleon bezog kurzzeitig einige Räume des Grand Trianon – welches er ursprünglich seiner Mutter zudachte – und ließ das Schloss und einige Räume für sich herrichten, nachdem das nun über hundert Jahre alte Gebäude marode geworden war.

Hier eines der Schlafzimmer :
Im Biedermeier, der Wohnkultur die in den Ländern des Deutschen Bundes und des Kaisertums Österreich, die um 1815 nach den Freiheitskriegen einsetzte und bis zur Märzrevolution von 1848 reichte, begann eine durch das Bürgertum eine Flucht in eine häusliche Idylle des persönlichen Lebens.
Das nach dem Sturz Napoleons und der Neuordnung Europas im Wiener Kongress (Sept./Okt. 1814 - Juni 1815) von der Politik weitgehend ausgeschlossene Bürgertum konzentrierte sich auf die Wohnkultur und die familienbezogene gemütliche Häuslichkeit. Man zog sich in die private Sphäre zurück und die unmittelbare Umgebung stand im Mittelpunkt. Familie, behagliche Wohnstuben, Schlafstuben und kleine Gärten prägen die Zeit.
Während bisher die Stilrichtungen und damit auch die Schlafzimmer-Ausstattungen ausschließlich von aristokratischen Höfen vorgegeben wurden, fand jetzt erstmalig durch die Einführung der Gewerbefreiheit, eine bürgerliche Prägung des Möbelstiles statt. 



Schlafzimmer von Kaiser Franz Joseph und Schlafzimmer von Kaiserin Elisabeth in Schloss Gödöllö

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Kaiserliches Hofmobiliendepot Wien Foto: Czerwinski, Beate

Franz Joseph I., (1830 – 1916) war ein Angehöriger des Hauses Habsburg-Lothringen und von 1848 bis zu seinem Tod im Jahr 1916 Kaiser von Österreich. Mit einer Regierungszeit von nahezu 68 Jahren übertraf er jeden anderen Regenten seiner Dynastie. Er heiratete am 24. April 1854 Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (1837 - 1898) durch ihre Heirat ab 1854 Kaiserin von Österreich und ab 1867 Apostolische Königin von Ungarn wurde.
Die beiden bewohnten nicht die Prunkräume der Wiener Hofburg, die noch unter Maria Theresia gestaltet worden waren. Die Ausstattung und Möblierung seiner Räume im zweiten Stock des Schweizertraktes erfolgte im Josephinischen Stil unter Verwendung kostbarer Tapisserien und weiß-goldgefasster Möbel. 
Charakteristisch für die Zeit Franz Joseph I ist das Nebeneinander von Empire und Biedermeier sowie josephinescher Einrichtungen in den kaiserlichen Privaträumen. Repräsentativ und zeitgemäß möbliert war jeweils der Bereich der Kaiserin, während Franz Joseph I bei seinen Wohnräumen jeden Luxus ablehnte.
Das ungarische Schloss Gödöllő war .in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth .

In die Zeit des Biedermeiers fällt auch Sammlung der Polizeigesetze und Verordnungen für die königliche Württembergische Residenzstadt Stuttgart aus dem Jahre 1829.

Hier Ausschnitte bezüglich der Schlafräume:
Haus, Ordnung.
Allgemeine Vorschriften
§ 26
Die für die Arbeiter nach Verschiedenheit des Geschlechtes abgesondert eingerichteten Arbeits- und Schlafzimmer werden im Sommer früh 5 Uhr und im Winter früh 7 Uhr geöffnet.
§ 27
Die männlichen und weiblichen Arbeiter müssen stets voneinander getrennt, und deshalb die im Haus-Oehrn befindliche Gatterthüre, welche den Zugang zu den Arbeits- und Schlafzimmern der Arbeiter beiderlei Geschlechts scheidet, sorgfältig geschlossen gehalten werden.
§ 30
Im Innern des Hauses, so wie in den Arbeits- und Schlafzimmern muss stets die größte Reinlichkeit und Ordnung herrschen.
§ 33
Der Hausmeister und die Aufseherin haben mit Strenge darauf zu sehen:
a) dass jeden Morgen sogleich nach dem Aufstehen von jeder Person das Bett gemacht werde.
b) dass sämtliche Arbeiter sich gehörig waschen, kämmen, ihre Kleider reinigen, und sich vollständig anziehen, auch an jedem Sonntag das Leibweiszeug wechseln.
c) dass an jedem Morgen die Schlaf- und Arbeitszimmer, die Gänge, Treppen und Abtritte von den Arbeitern abwechslungsweise nach einer bestimmten Ordnung auf das Sorgfältigste ausgekehrt, gefegt und gereinigt werden.
d) dass die Arbeits- und Schlafzimmer in den Wintermonaten täglich mit Wachholderholz geräuchert, auch die Nachttöpfe und Nachtstühle stets in reinlichem Stand erhalten, und dem Luftzug ausgesetzt, und dass endlich die Fußböden in den Schlaf- und Arbeitszimmern wöchentlich einmal mit befeuchtetem Sägmehl aufgerieben, und mit Sand bestreut werden.
Der Biedermeierstil hat die Möbelgestaltung und damit auch die Bettenformen maßgeblich geprägt und ich bis heute in unterschiedlichen Varianten (besonders in Form der Stilmöbel) in der bürgerlichen Wohnkultur erhalten. 
Ab 1830 verlor das Biedermeier langsam an Schlichtheit; Ansätze des folgenden Historismus bis zur Gründerzeit wurden immer mehr.
James Whitaker Wright (1846 - 1904) war Eigentümer von Gold- und Kupferminen in British Columbia, Kanada. Er machte ein Vermögen mit Goldminenspekulationen und ließ sich ein riesiges Haus erbauen, das allein 32 Schlafzimmer hatte. Sein Schlafzimmer war 60 Meter lang und besaß 40 Fernster und war ausgestattet mit einem Flügel, einer Harfe und einem zwei Meter hohen chinesischen Gong. Ein riesiges Doppelbett stand darin.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts, der Zeit der rasanten Industrialisierung, waren Wohnraum und damit auch Schlafplätze, in den großen Städten absolute Mangelware. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg diese noch weiter an. In Deutschland, beispielsweise, waren Schlafzimmer aufgrund des Wohnraumbewirtschaftung und der Einquartierung von Flüchtlingen auch nach dem 2. Weltkrieg knapp. Viele Menschen mussten im Wohnzimmer schlafen.



Die besondere Art von Untermietern, die sogenannten „Schlafgänger“

21.03.2015 von Joachim Becker

Foto © "Neue Bündner Zeitung“

Als Schlafgänger, Schlafleute, Schlafburschen aber auch Schlafmädchen wurden damals Menschen bezeichnet die keine eigene Wohnung und damit auch kein eigenes Schlafzimmer hatten oder sich diese nicht leisten konnten, und sich gegen Entgelt (Schlafgeld) eine Mitschlafgelegenheit beschafften. Man sprach in diesem Zusammenhang von „halboffenen Familien.

Es kam auch vor, dass besonders arme Familien die Betten auch an zwei verschiedene Schlafgänger vermieteten. Sie waren dementsprechend in keinem Adressbuch verzeichnet. Doch unumstritten ist, dass Schlafgänger vorwiegend junge Männer aber auch Verheiratete waren, die auf dem Lande lebten, lediglich zum Geldverdienen in die Stadt kamen und entweder Wochenende oder erst nach dem Ende der Sommermonate nach Hause fuhren.
Die beengten städtischen Arbeiterwohnungen ließen die Weitervermietung eines ganzen Schlafzimmers nicht zu. Da bedeutete schon die Vermietung von einzelnen Betten eine Nebeneinnahme. Gerade die üblichen Schichtarbeiten machten es möglich, die Bettstellen eines Haushaltes umschichtig zu nutzen. Die Betten wurden im Wechsel tagsüber oder nachts ausschließlich zum Schlafen vermietet. Zwei oder sogar drei Arbeiter, die in verschiedenen Schichten tätig waren, mieteten gemeinsam ein Bett und benützten es abwechselnd. Die Betten wurden dadurch nie kalt oder es kam vor, dass sie vor dem Bett gar Schlange standen. 
Bequemlichkeit und Intimität kamen gar nicht in Betracht. Viele Familien, die die Schlafgänger aufnahmen, wohnen selbst unter beengtesten räumlichen Verhältnissen. Wenn sie mehrere Arbeiter aufnahmen, kam es vor, dass ein Familienmitglied mit einem oder mehreren Schlafgängern zusammen in einem Bett schlafen musste.
Nach einem „Bochumer Bericht von 1886 “ging die Frau mit dem Schlafgänger ins Bett, die Töchter folgten nach, wurden verkuppelt, und der Vater fing vor Scham an zu trinken”. Man sieht, mit den neuen Lebens- und Wohnverhältnissen wurde die traditionelle Sozialbeziehung zwischen Menschen zerstört und stark verändert. 
Überbelegung und schlechte sanitäre Verhältnisse waren an der Tagesordnung.
Wie wichtig diese Institution für Zuwanderer war, lässt sich daran erkennen, dass es 1908 im Ruhrgebiet in 66% der Haushalte einen Schlafgänger gab.
Im Jahr 1880 gab es in Berlin 32 289 Haushaltungen die 59 087 Schlafleute oder Schlafgänger beherbergten. Um 1900 kamen in Berlin 84 235 Schlafburschen und 29 623 Schlafmädchen oder Frauen auf 72 445 Haushaltungen. Einen Schlafplatz zu mieten bedeutete nicht, dass man ein eigenes Bett hat. 
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Großstädten wie etwa Berlin und Hamburg durchschnittlich in ca. 15 – 20 % der Wohnungen Schlafgänger.
In Berlin entwickelte sich ein Schlafstellenwesen. Der zeitkritische Maler und Zeichner, Heinrich Rudolf Zille (*1858-1929†) hielt das "Milljöh" in vielen Bildern fest.
Schlafgänger gab es aber nicht nur in Deutschland. Einer Studie nach waren 30 Prozent der Arbeiter in Wien in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Schlafgänger. Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein waren besondere Schlafzimmer vor allem für Arbeiter ein unerschwinglicher Luxus. 
In den 1960er Jahren entspannte sich schließlich die Situation. Das heißt, dass oft neben den Eltern auch die Kinder ein eigenes Schlafzimmer erhielten.



Schlusswort

21.03.2015 von Joachim Becker

Das Schlafzimmer soll also ein Schlafzimmer sein! Es gibt aber auch Menschen die das Schlafzimmer als Multifunktionszimmer ausstatten. Da sich im Schlafzimmer auch der Kleiderschrank befindet stapeln sich u.U, allerlei Kisten und Kartons. Oft wird es eine Kombination von Schlaf- und Arbeitszimmer. Das ist kontraproduktiv, denn zum Schluss hat man weder ein Arbeits- noch ein Schlafzimmer. Wie will man ruhig schlafen, wenn man seinen unaufgeräumte Schreibtisch dauernd im Blick hat.



von der Antike bis zur Neuzeit

Kulturgeschichte der Nachtkleidung

16.03.2015 von Joachim Becker

Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte hindurch war es gesellschaftlicher Usus, nackt zu schlafen. Schließlich waren Adam und Eva im Paradies vor dem Sündenfall ebenfalls nackt gewesen.
Unsere Vorfahren schliefen nackt auf Fellen, Moosen, Blättern und Gräsern und der Schlaf war über viele Jahrhunderte eine öffentliche Angelegenheit, denn auch im 13. Jahrhundert lagen die Menschen noch nackt im Bett und schliefen mit Bediensteten und Verwandten in einem Raum.
Von 1347 bis 1352 zog die große Pest durch Europa, was sowohl Besitzverhältnisse wie geistige Werte und nicht zuletzt auch die Nachtmode einschneidend veränderte. Gleichzeitig nahm der Einfluss der Kirchen auf die Menschen zu. Das veränderte zusätzlich die Nachtmode.
Bei der Nachtkleidung der Mönche war der Hals so etwas wie die sittliche Wasserscheide. Sie schliefen bis zur Halskrause bedeckt, aber mit nacktem Haupt, während bis dahin der Rest der Bevölkerung splitternackt, aber mit einer Nachtmütze oder Haube auf dem Kopf ins Bett hüpfte, denn man glaubte damit die Haare oder die Frisur zu schützen. Man schlief also „nackt, Leib an Leib.“ 
In Kleidern schliefen Arme, die weder Bett noch Bettzeug hatten, sowie Kranke und man ließ dann einfach das Hemd an, welches sie tagsüber getragen haben. Kranke Menschen trugen nachts ebenfalls meist ein weißes Hemd aus Leinen für die Nacht.

Zur Zeit des Barocks (1575-1770) wandelte sich aber auch die gesamte Einstellung der Natürlichkeit. Plötzlich war es nicht mehr sittsam, sondern sündhaft offene Sexualität zu leben. Eltern sollten sich nicht mehr nackt vor ihren Kindern zeigen und somit wurde auch das gemeinsame Schlafen unterbunden. Diese Einstellung wurde allgemein von der europäischen Oberschicht übernommen, aber erst Ende des 18. Jahrhunderts lösten sich die letzten Schlafkommunen auf, als eine Revolution durch die Betten fegt: die Hygiene.
Nachtwäsche ist heute der Sammelbegriff für vorwiegend oder ausschließlich nachts zum Schlafen getragene Kleidung oder Wäsche.
Als Nachtwäsche gelten im Besonderen:
Nachthemd
Negligé
Babydoll
Schlafanzug/Pyjama
Schlafoverall
Schlafmütze


Sehen wir uns die Kulturgeschichte im Folgenden einmal näher an.



Das Nachthemd

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © © Baptiste Coulmont, ISSN : 2269-1960

Allgemein wird davon ausgegangen, dass sich das Nachthemd um 1500 von Italien über ganz Euro ausbreitete, denn in  Italien behielten die Frauen das Taghemd, das sie unter ihrer Kleidung trugen, in der Nacht ebenfalls an.
Dem muss widersprochen werden.
Ian Mortimer berichtet in seinem Werk „Im Mittelalter: Handbuch für Zeitreisende, das Edward Balliol (1283- -1367) 1332 bis 1336 vorübergehend König von Schottland war. Als er eines Nachts im September 1332 angegriffen wurde, konnte  er gerade noch im Nachthemd entkommen.
Damit scheint das Nachthemd älter als um das Jahr 1500 zu sein. Wer in dieser Geld hatte, der ließ sich ein eigenes Kleidungstück, den sogenannten „Herzschützer“ anfertigen. Hierbei handelte es sich um ein knöchellanges, weites Hemd aus Seide für beide Geschlechter welches am Hals mit einem Bändchen geschlossen wurde. In England hieß es "Smock", war aus weißem Leinenbatist oder Barchent, seltener aus Seide, und je nach Stand mehr oder weniger mit Spitzen, Rüschen und Stickereien verziert. 

Die früh aufgeklärten Franzosen entwickelten zur Wahrung ehelicher Sitten ein züchtiges Ehe-Nachtgewand, das „chemise cagoule“. Dies war ein schweres Nachthemd mit passender Öffnung, durch die der Mann seine Frau befruchten konnte, ohne mit ihr in eine über das Notwendige hinausgehende Berührung zu kommen. Die Menschen dieser Zeit sollten während des Zeugungsaktes keine fleischigen Lüste verspüren. . Ob der Spruch "Gott will es so" (Dieu le veut) als Zierde gedacht war oder als Erinnerung an die Pflicht, bleibt dahin gestellt. 
im Blüteland des Puritanismus, Amerika, galt es mancherorts dagegen selbst für vollbekleidete Eheleute als strafbares Vergehen, sich mit dem anderen Geschlecht zu betten, es sei denn zum Zwecke der Fortpflanzung.
An Königshöfen, in Adelshäusern und in Schlössern im 17. Jahrhundert wurde der Kleidung beim Schlafen besonders großen Wert zu legen. Die Damen trugen teure, Spitzen besetzte Nachthemden aus Samt oder Seide und die waren bei der gehobenen Schicht so prachtvoll, dass man sie auch bei mehr oder weniger intimen Abendgesellschaften trug.

Dass auch die körperbewusste Kaiserin Elisabeth (1837-1898) überweite Nachthemden trug, scheint vielleicht verwunderlich, hängt aber sicherlich auch damit zusammen, dass Nachthemden mit Zugband in der Taille erst um 1880 auf den Markt kamen und sich die kaiserliche Wäsche auch an der jeweiligen Mode orientierte.

Als 1870 die Herren begannen Pyjamas zu tragen, wurde das Nachthemd weiblicher und verspielter. Anstelle des üblichen Umlegekragens kam der Stehkragen, Rüschen und Verzierungen mehrten sich und im Rücken wurde eine Falte gelegt damit es eleganter wirkte.
Um das Jahr 1880 herum wurde das erste Mal daran gedacht, das Nachthemd auch modisch in Szene zu setzen, so bekam das Nachthemd für Frauen eine durchgehende Knöpfung an der Vorderseite sowie ein Zugband um die Taille



Neglié

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © Wikipedia GNU-Lizenz für freie Dokumentation Author: Tranquil Garden

 

Negligé steht als Sammelbegriff für elegante, verführerische Damennachthemden. Der Begriff Negligé bzw. Negligé stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „das nachlässige (Kleid) oder laut Duden leichter, eleganter Morgenmantel.
Heute wird der Ausdruck vor allem als Synonym für elegante und/oder verführerische Damen-Nachthemden gebraucht. 
Die Geschichte des Negligé beginnt ab im 17. Jahrhundert in Frankreich. Das Negligé wurde ursprünglich von höfischen Damen im Boudoir (einem kleinen, in der Regel elegant eingerichteten Raum) getragen, in dem sie ihr Frühstück einzunehmen pflegten. Da Herren hier nicht zugelassen waren, war die Kleidung der Damen entsprechen lässig.
Die Biographen von Marquise de Pompadour (1721-1764) bemerken: „Von ihr stammen zahlreiche modische Feinheiten und Koketterien; so war zum Beispiel das Negligé eine Neuerung, die ihren Gedanken und Wünschen entsprang.“
1959 machte die Schauspielerin Doris Day das Negligé salonfähig, denn sie trug in der US-amerikanische Filmkomödie „Bettgeflüster“ einen hauchzarten Morgenmantel, der zwar nichts preisgab, dafür aber sehr viel erahnen ließ. Das prüde Amerika war geschockt, aber einen solchen verführerischen Morgenmantel hatte bald jede Amerikanerin im Schrank.
Der Begriff „Negligé“ wurde zum  Inbegriff von femininer Eleganz. Heute werden Negligés zu den Dessous gerechnet, also verführerische Damenwäsche, die sich durch Raffinesse und knisternde Erotik auszeichnet.



Babydoll

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © © Wikipdia GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Author: Tranquil Garden

 

 

Babydoll ist eine Nachthemdenform die 1956 durch den Film „ „Baby Doll – Begehre nicht des anderen Weib“ mit  Caroll Baker bekannt wurde.
Babydoll war zunächst in Po langes, luftiges, weites leicht A-förmig geschnittenes  Hemdchen mit Rüschen oder Spitzen besetzt und ausgestellten Puffärmeln, dazu eine kurze Pumphose.
Später bekam das Oberteil dann Spaghettiträger.
Der Hauch von Nichts wurde auch von den Frauen als sexy Dessous entdeckt
1957 schaffte das Babydoll dann den Schritt vom Pyjama zum alltagstauglichen Kleid. Der Couturier Jacques Griffe gab dem Nachthemd ein paar Zentimeter mehr Länge und schon wurde aus dem Hemdchen ein kurzes Kleid.
1969 kam es wieder vor die Kamera. In dem Film „ Kaktusblüte“ einer romantischen Komödie nach dem Schauspiel Cactus Flower trug Goldie Hawn Babydoll.
1977 sammelte Nastassja Kinski in dem Soft-Porno“ Leidenschaftliche Blümchen“ in Babydoll ihre ersten Kinoerfolge in einer Hauptrolle.

1981 war Elisabeth Volkmann in Faßbinders „Lola“ in Babydoll zu sehen.
Danach wurde es erst wieder in den 90er Jahren wieder als wirkungsvolle Verführungswaffe im Hausgebrauch eingesetzt und heute ist das Babydoll zu jeder Tages- und Nachtzeit heiß begehrt und vielseitig wie nie. 



Pyjama

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © © http://www.deutsches-strumpfmuseum.de

Ein Pyjama ist ein leichtes, in der Regel zweiteiliges Gewand, das zum Schlafen getragen wird. Seinen Ursprung hat das Wort in der indischen Sprache Hindi. „Pajama“ kommt ursprünglich aus dem Persischen, bedeutet „Beinkleidung“ und bezeichnet eine leichte Hose, die am Bund von einer Schnur zusammengehalten wird und im süd- und westasiatischen Raum, besonders in Indien getragen wird. Durch den Handel zwischen Indien und Europa schätzten Britische Kolonialherren die Bequemlichkeit dieser Hose und importierten sie Mitte des 17. Jahrhunderts nach Europa, wo sie sich aber zunächst nicht durchsetzen konnte. Nachts trugen Herren zu dieser Zeit nämlich Nachthemden die im westlichen Kulturkreis als ungemein weiblich gilt.
Im 17. Jahrhundert trug der Herr dann unter dem Nachthemd eine lange Unterhose. Damit war der eigentliche Pyjama, wie er heutzutage bekannt ist, geboren und stellte insbesondere bei Männern eine immer beliebter werdende Alternative zu Nachthemden dar.
Der Siegeszug quer durch Europa und Amerika folgte in den darauffolgenden Jahren, als die ganze Welt den Vorteil von Pyjamas erkannte und nutzen wollte. Heute wird das Wort auch als Synonym für „Schlafanzug“ verwendet.
Im ausklingenden 19. Jahrhundert begann der Pyjama seinen Siegeszug durch die Schlafzimmer und nach dem ersten Weltkrieg entdeckten Frauen den Schlafanzug für sich und die gemütlichen Kleidungsstücke schätzen und tauschen Nachthemden gegen den Schlafanzug aus. Der Schlafanzug für Damen erhielt gesellschaftliche Akzeptanz. Einzige Ausnahme: Frauenrechtlerinnen sollen ihn schon früher getragen haben.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs hatte der Pyjama das Nachthemd weitgehend verdrängt, zumindest als Nachtgewand für Männer.

Zu den Kuriosa gehört, dass sich die deutsche Delegation In der Nacht vom 15.4. auf den 16.4. 1922 vor der Unterzeichnung des Vertrages von Rapallo in dem es darum ging dass das Deutsche Reich und Sowjetrussland ihre durch den Krieg und die russische Revolution unterbrochenen diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufnehmen, im Hotel Eden in Genf zu einer legendär gewordenen „Pyjamakonferenz“ traf, um sich vor Vertragsunterzeichnung noch einmal abzustimmen.
Ähnliches passierte an der Weltwirtschaftskonferenz 1933 in London, als alle Mitglieder der amerikanischen Delegation nachts geweckt wurden und entschieden ihr Memorandum zurückzuziehen um die Währungen nach der Wirtschaftskrise zu stabilisieren, was die Anliegen der Konferenz als gescheitert ansehen ließ. Dieses Treffen wurde in den Zeitungen ebenfalls als «Pyjama-Konferenz» bezeichnet. 
Die bequemen Pyjama Hosen fanden auch in der Modebranche großen Anklang und in den 1930er-Jahren erhielt der sogenannte Strand-Pyjama Einzug in die Modewelt.

Pyjamas sind heutzutage als komfortable Bekleidung nicht nur für die Nacht weit verbreitet sondern werden auch als Alltagskleidung getragen, wovon folgende Beiträge berichten:

Viele Bewohner in asiatischen Ländern schießen allerdings über das Ziel hinaus, denn seit den 70er Jahren war es üblich, im Schlafanzug einkaufen zu gehen oder zu Besuch zum Nachbarn. Shanghai wurde bekannt für die Pyjama-Träger und deshalb startete die Stadtregierung 2010 aus Anlass des Expo eine Anti-Schlafanzug-Kampagne. Schilder mit der Aufschrift „Pajamas don’t go out of the door; be a civilized resident for the Expo“ hingen in der Stadt und Pyjama-Polizisten liefen umher, um Schlafanzugträger wieder nach Hause zu schicken. Selbst Prominente sprachen sich im Fernsehen dagegen aus. So wurde ein Markenzeichen der Stadt verbannt.
In Kambodscha gehört zu den liebsten Bekleidungsstücken der Frau der Schlafanzug. Mit ihm besuchen sie den Markt, verrichten ihre Arbeiten im Freien und zeigen sich damit in der Öffentlichkeit.
In Thailand sind Schlafanzüge ebenfalls gesellschaftsfähig. Oft sieht man Frauen mit ihren Kindern im Pyjama auf dem Moped, unterwegs zum morgendlichen Einkauf. 
In Neuseeland ist Schlafanzug tragen Trend - auch am helllichten Tag, auf der Straße, beim Shopping. Das gefällt dem Manager des Einzelhandelsverbandes in Gisborne an der Ostküste Neuseelands gar nicht. Er sorgt sich um den Ruf der Stadt.

Ein britischer Supermarkt hat seinen Kunden ausdrücklich verboten, im Schlafanzug einzukaufen. "Wir bitten unsere werte Kundschaft, aus Rücksicht auf andere Kunden in unserem Supermarkt angemessene Kleidung zu tragen", heißt es auf einem Hinweisschild des Supermarktes, das dann ganz konkret wird: "Schuhe müssen immer getragen werden, und Schlafanzüge sind verboten."
In amerikanischen Day Care Centers und Grundschulen wird als Themen-Tag gelegentlich ein „Pajama Day“ veranstaltet, an dem die Schüler im Schlafanzug zum Unterricht erscheinen dürfen. 
Zuweilen werden auch Pyjama-Partys veranstaltet. Dabei wird beim Gastgeber übernachtet, darum der Name des Schlafanzuges.
Wir sehen heute ist der Pyjama oder Schlafanzug bei Tag und bei Nacht nicht mehr wegzudenken.



Schlafoverall

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © ©: Wikipedia gemeinfrei

Ein Overall ist ein einteiliger Überanzug. (englisch: over all: „über alles, über allem“) und in den kälteren Gegenden der USA sind Overalls unter dem Namen blanket sleeper als Schlafwäsche verbreitet; sie werden vor allem (aber nicht nur) von Kindern getragen. Insbesondere Modelle für ältere Kinder und Erwachsene sind in Nordamerika deutlich weiter verbreitet als in Europa.
Verschlossen wird ein traditioneller Schlafoverall mittels einer Knopfleiste, die vom Schrittbereich bis zum Kragen verläuft. Bei heute erhältlichen Modellen ersetzt oft ein Reißverschluss die Knopfleiste. Andere Konfigurationen wie Rückenreißverschlüsse sind nur selten anzutreffen. 
Früher verfügten die Schlafoveralls im Gesäßbereich oft über eine Öffnung, die den Gang auf die Toilette erleichtert, so dass der Overall nicht ausgezogen werden muss. Die Öffnung ließ sich (meist mit Druckknöpfen) durch eine Klappe aus Stoff verschließen (engl.: drop seat). Diese Klappen im Gesäßbereich fehlen heute meist.



Nachtmütze

16.03.2015 von Joachim Becker

Foto © © Kathleen Kannik, © 2014 Kannik’s Korner

Die Nachtmütze ist unter vielerlei Begriffen wie Schlafhaube, Nachthaube,  Schlafmütze, Schlafkappe zu finden und der Begriff tauchte erstmals in der Renaissance der europäische Kulturepoche zwischen dem  15. und 16. Jahrhunderts auf und wurde von beiden Geschlechtern getragen. 
Eine Nachtmütze war  ursprünglich eine Kopfbedeckung, die aus hygienischen Gründen im Bett getragen wurde. Aber nicht nur, denn da die Schlafzimmer zu dieser Zeit nicht beheizt waren und oft bei Eisblumen an den Fenstern geschlafen wurde musste man sich warm einpacken. Der Körper war mit der Zudecke einigermaßen geschützt, aber der Kopf war frei und hier ging viel Wärme verloren. Er musste also ebenfalls warm eingepackt werden.
Nachtmützen waren eine weiche und warme Kopfbedeckung  die den Kopf zusätzlich vor Läusen schützten du auch gerade dort beliebt waren, wo die Schädel besonders häufig u.a. zum Tragen der Perücken kahl geschoren waren.
Während die Schlafmütze der Männer einer Zipfelmütze entsprach, trugen die Frauen eine Schlafhaube in runder Form, deren Stoff in Falten gelegt war.
Im übertragenen Sinn, bereits seit dem 18. Jahrhundert, versteht man unter Schlafmütze oder Schlafhaube einen langsamen, schwerfälligen, unaufmerksamen oder faulen Menschen bzw. Langschläfer. Das Wort „Schlafmütze“ wird in diesem übertragenen Sinn zumeist scherzhaft gebraucht.
Der bekannte Gastrosoph Brillat-Savarin (1755-1826) bemerkte einmal im Sinne der Schlafmütze:
„Man liegt schön warm zugedeckt, lang ausgestreckt und mit einer Nachtmütze auf dem Kopf im Bett. Da beginnen die Gedanken zu kreisen, die Phantasie erhitzt sich, die Ideen sprudeln hervor und da man zum Schreiben aufstehen muss, zieht man sich an, nimmt seine Nachtmütze vom Kopf und setzt sich an den Schreibtisch. Dort angekommen, ist man ganz plötzlich nicht mehr derselbe, die Phantasie hat sich wieder abgekühlt. All das lässt sich durch die Wirkung der veränderten Lage und der Wärme auf das Gehirn erklären, auch hier macht sich der Einfluss des Physischen auf den Geist bemerkbar. … Ich bin auf den Gedanken gekommen, das Feuer der Orientalen könne teilweise auf den Umstand zurückzuführen sein, dass sie nach den Geboten Mohammeds stets eine warme Kopfbedeckung tragen müssen, und alle Stifter von Mönchsorden hätten nur deshalb die Anordnung getroffen, diesen Teil des Körpers unbedeckt zu lassen und zu rasieren, um die gegenteilige Wirkung zu erzielen.“

Der französische Schriftsteller Honoré de Balzac (1799 - 1850) schrieb in seinem Werk „Physiologie der Ehe - Kapitel 21:
„….Und dieser Philosoph wird ein Mann gewesen sein, der sich stets in seine Decke eingewickelt und keine Nachtmütze getragen hat…Da es aber nichts Gutes ohne eine kleine Beimischung von Unbequemlichkeit gibt, so musst du elegant zu schlafen verstehen, musst unter der Nachtmütze ein würdiges Aussehen zu bewahren wissen, höflich sein, einen leichten Schlaf haben, nicht zu viel husten und musst es machen wie die modernen Schriftsteller, die mehr Vorreden als Bücher produzieren.“
In der Zeitung  „Kurier der Donau“ in Niederbayern wir im 43. Jahrgang 21. Jäner 1833 folgendes beschrieben.“
Kürzlich hat in Paris vor Gericht eine Frau auf Schweidung von ihrem Manne angetragen, und zwar aus dem Grund, weil er zu stark schnarche.
……….empfahlen dem Manne, nur leise zu schnarchen und rieten der Frau, eine mit Baumwolle stark wattierte Schlafhaube tief über die Ohren herabzuziehen…….“



Schlußwort

16.03.2015 von Joachim Becker

Die Schlafbekleidung bei den Deutschen ist nach wie vor sehr unterschiedlich, wie die folgende Statstik zeigt:
Eine im Jahr 2009 bei 1002 Deutschen durchgeführte Umfrage kommt auf 5 % Nacktschläfer, während 48 % laut eigenen Angaben mit einem Pyjama bekleidet sind.


Pyjama  T-Shirt  Nachthemd   Unterwäsche  Nichts/Nackt  keine Angaben
 
48%       16%      15%              12%               5%                  4%