Beitrag vom DGSM KONGRESS in Mainz Gesellschaft ohne (Ruhe-)Pause – rund um die Uhr im Einsatz22.12.2015![]() Foto © alphaspirit - fotolia.com Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für die Gesundheit und die emotionale Befindlichkeit jedes Menschen. Weiterlesen ... |
Paare und Jugendliche – prädestiniert für chronischen Schlafmangel?04.01.2016![]() Wissenschaftliche Studien belegen es immer wieder: Ausreichend Schlaf ist die Basis für Wohlbefinden und Gesundheit. Und doch gibt es Altersgruppen und Lebensformen, die scheinbar prädestiniert sind für ein ständiges Schlafdefizit. Die 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) hat sich mit neuen Erkenntnissen zum Paarschlaf und den Ursachen und Auswirkungen von Schlafmangel bei Jugendlichen befasst. Chronisches Schlafdefizit bei Jugendlichen – Ursachen und Auswirkungen Sind kleine Kinder meist durch die Bank Frühaufsteher, mutieren sie ab dem Teeny-Alter fast immer zu „Eulen“, die abends spät müde werden und dafür morgens nicht aus dem Bett kommen. Dieser Zustand hält ungefähr bis zum 25. Lebensjahr an und ist zum großen Teil auf die Umstrukturierung des Hormonhaushalts zurückzuführen, die auch die Ausschüttung des Müdigkeitshormons beeinflusst. „Chronobiologisch gesehen, beginnt für Jugendliche der Unterricht mitten in der Nacht“, so Dr. Dipl.-Psych. Hans-Günter Weeß, Tagungspräsident der DGSM-Jahrestagung 2015. Jugendliche schlafen oft erst nach Mitternacht ein, müssen aber morgens gegen 6.30 Uhr wieder aufstehen um rechtzeitig in der Schule zu sein. Der Schlafbedarf von ca. neun bis zehn Stunden wird somit dauerhaft nicht gedeckt, was zu einem chronischen Schlafmangel führt. Quält sich der Heranwachsende so durch den Vormittag, leiden die Lernmotivation und die Konzentrationsfähigkeit deutlich. Verstärkt wird dieser Übermüdungs-Zustand noch zusätzlich durch den ständigen Gebrauch digitaler Medien. Das Ergebnis einer Studie besagt, dass die Nutzung von Smartphone, PC und Tablet sowie dem Fernseher oder Spielkonsolen bei Jugendlichen mittlerweile fast die Hälfte der wachen Zeit beansprucht. Viele sind auch nach Mitternacht noch online und nehmen ihr Handy sogar mit ins Bett, was die Schlafqualität heruntersetzt und das Defizit zusätzlich erhöht. Um die Dauermüdigkeit zu kompensieren, werden häufig stark koffeinhaltige Getränke zu sich genommen, was sich wiederum nachteilig auf den Nachtschlaf auswirkt. Vielfältige negative gesundheitliche Auswirkungen sind die Folge, bis hin zu Ausfällen am Arbeitsplatz und Fehltagen in der Schule, ganz abgesehen vom persönlichen Wohlbefinden. In den meisten Ländern beginnt die Schule deutlich später als in Deutschland – in England beispielsweise erst um 9 Uhr. Dieser spätere Start wirkt sich günstig auf die Aufnahmefähigkeit und die Leistungsbereitschaft der Jugendlichen aus. Mit dem Slogan „Lasst sie doch noch etwas schlafen“ setzte sich auch die deutsche Familienministerin im Sommer 2015 für einen späteren Schulbeginn hierzulande ein. Aber selbst wenn dies irgendwann realisiert wird: Auf die Nutzung von digitalen Medien sollte in den letzten zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen möglichst verzichtet werden, um die Schlafqualität und -dauer zu verbessern. Eine klare Smartphone-Regelung seitens der Eltern kann hier sehr hilfreich sein.
Nicht nur Jugendliche kämpfen häufig mit einem dauerhaften Schlafdefizit – auch manche Paare haben ähnliche Probleme, allerdings mit anderen Ursachen. Schlafprobleme bei Mann und Frau können zu depressiven Verstimmungen und genereller Unzufriedenheit in der Ehe führen. Aber wie entstehen sie überhaupt und sollte man sich vor diesem Hintergrund überhaupt ein gemeinsames Bett teilen? Manche Paare unterliegen dem Irrglauben, sich einander komplett anpassen zu müssen, um glücklich zu sein. Dies führen sie auch konsequent beim gemeinsamen Zubettgehen fort, was kein Problem darstellt, wenn beide Partner den gleichen Chronotypus aufweisen. In diesem Fall sind beide „Lerchen“ oder „Eulen“ und müssen sich nicht umstellen. Generell zeichnen sich diese Paarkonstellationen durch mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aus und können deutlich besser Konflikte bewältigen. Paare mit unterschiedlichem Chronotypus hingegen haben es schwieriger: Ob man lieber früh aufsteht oder stattdessen abends lange wach bleibt, ist genetisch bedingt und lässt sich nicht einfach umtrainieren. Daher führt eine Anpassung an den Partner zu Schlafproblemen und zu Dauermüdigkeit. Sind die angeborenen Schlafgewohnheiten sehr verschieden, entstehen häufiger Konflikte, es bleibt weniger Zeit für Konversationen und gemeinsame Aktivitäten, auch sexuelle Kontakte sind weniger häufig. Während Männer generell besser mit einer Frau an ihrer Seite schlafen, fühlen sich Frauen durch einen Partner beim Schlafen eher gestört. Dies liegt daran, dass der Mann beim Schlafen „in der Gruppe“ seine Verantwortung für die Familie delegiert, sich wohlfühlt und somit ruhiger und entspannter schlafen kann. Die Frau hingegen nimmt evolutionsbiologisch die Rolle der Beschützerin und Versorgerin ein, die Nacht wird in Gegenwart anderer zur nächsten Arbeitsschicht und wer kann „am Arbeitsplatz“ schon entspannt schlafen? Häufig stören sich Paare auch durch Bewegungen oder Schnarchgeräusche gegenseitig. Vor allem Männer bewegen sich deutlich mehr im Schlaf, was Frauen zusätzlich stört. Dadurch findet bei beiden oft nur ein oberflächlicher Schlaf statt, der für die körperliche Regeneration wichtige Tiefschlaf kommt gar nicht erst zustande. Interessant ist auch die Beobachtung, dass Partner von Frauen mit Schlafproblemen häufig über eine schlechtere Gesundheit, depressive Verstimmungen und generelle Unzufriedenheit in der Ehe klagen. Dies legt den Rückschluss nahe, dass rechtzeitig behandelte Schlafprobleme nicht nur die eigene, sondern auch die Gesundheit des Partners und die Qualität der Beziehung insgesamt verbessern können. Ob es nun sinnvoll ist, gemeinsam in einem Bett oder Raum zu schlafen, muss jedes Paar für sich selbst entscheiden. Stört man sich gegenseitig zu sehr oder weichen die Schlafzeiten stark voneinander ab, kann es durchaus besser und sogar beziehungsförderlich sein, getrennt zu schlafen. Oberste Priorität sollte immer die gute Schlafqualität beider Partner haben. |
Warum braucht das Gehirn Schlaf?04.01.2016![]() Foto © adimas - fotolia.com Nicht nur unser Körper regeneriert sich im Schlaf, auch im Gehirn finden wichtige Prozesse statt, die von entscheidender Bedeutung für unseren gesamten Organismus sind. Neue Forschungsergebnisse hierzu wurden auf der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. vom 3. Bis 5. Dezember 2015 in Mainz kontrovers diskutiert.
Es konnte erstmalig in Studien festgestellt werden, dass Menschen mit Demenz bereits im Vorstadium ihrer Krankheit an markanten Schlafstörungen leiden – und das schon häufig bevor die Gedächtnisschwäche überhaupt erkannt wird. Während des Schlafs findet im Gehirn ein erhöhter Flüssigkeitsaustausch statt, über den schädliche Proteinablagerungen (Amyloid-Plaques) abtransportiert werden. Ist die Tiefschlafphase jedoch zu kurz oder im schlimmsten Fall gar nicht vorhanden, kann die Reinigung nicht in ausreichendem Maße durchgeführt werden. Die sich dadurch bildenden Ablagerungen sind hauptverantwortlich für die Entstehung einer Demenz. Der festgestellte Zusammenhang zwischen einer erhöhten Amyloid-Konzentration im Gehirn und Schlafentzug oder längerem Schlafmangel kann einen möglichen Hinweis auf eine Demenzgefährdung bei Schlafstörungen geben. Es konnte im Gegenzug aber auch nachgewiesen werden, dass die vorhandenen Ablagerungen vermehrt abgebaut werden, sobald ein ausreichender Tiefschlaf stattfindet. Vor diesem Hintergrund ist die Schlafmedizin ein neuer Therapieansatz für die Behandlung von Demenzkranken. Zusätzlich wird deutlich, dass ausreichend Schlaf auch eine Präventionsmaßnahme gegen Demenz darstellt und Schlafstörungen frühzeitig behandelt werden sollten, um diesbezüglich vorbeugend aktiv zu werden.
Dieses Thema löste auf der Tagung eine sehr kontroverse Diskussion aus. Wobei nicht die Antwort auf die Frage im Mittelpunkt stand, sondern der gesellschaftlich und wissenschaftlich vertretbare Umgang mit der Antwort. Dass während des Schlafs Prozesse geordnet und Erlebnisse verarbeitet werden, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Auch dass sich Schlaf positiv auf die Merkfähigkeit auswirkt, ist bekannt. Neu ist allerdings, dass sich dieser Prozess medizinisch verstärken lässt. Während wir schlafen, ist zwar unser Bewusstsein ausgeschaltet, jedoch werden unterbewusst die Lernerfahrungen des Tages gefestigt und sortiert. Wie neue Studien aufzeigten, kann dieser Prozess durch externe Reize wie Gerüche und Töne verstärkt werden. Auch durch Elektrostimulationen und Medikamente kann die Verfestigung von Gelerntem positiv beeinflusst werden.
Ungeachtet der Konsequenzen für Medizin und Wirtschaft konnten die aktuellen Studien die Bedeutung des Schlafs herausstellen – ist er doch hauptverantwortlich für unsere Gesundheit sowie unsere Lern- und Merkfähigkeit. In weiteren Untersuchungen konnte darüber hinaus festgehalten werden, dass er zu großen Teilen auch unsere emotionale Befindlichkeit beeinflusst. Schlafen wir uns also heute Nacht gesund, schlau und glücklich! |
Im Gespräch mit Peter SporkFür eine ausgeschlafene Gesellschaft01.09.2015![]() In seinem neuen Buch „Wake up!“ (Hanser Verlag) plädiert der Chronobiologe Peter Spork für eine ausgeschlafene Gesellschaft. Er weist auf die Probleme hin, die chronischer Schlafmangel verursacht und zeigt Lösungsansätze auf. Politik und Wirtschaft sind gefragt, Fehlentwicklungen gegenzusteuern – schon im eigenen Interesse. Und auch jeder einzelne von uns kann besser schlafen, wenn er seinen Tagesablauf der inneren Uhr angleicht.
Schlafkampagne: Weshalb ist Deutschland so eine zwanghafte Frühaufstehernation? Spork: Weil wir tief verwurzelt sind in dem sprichwörtlichen Glauben, dass erst die Arbeit kommen muss, und dann das Vergnügen. Wir stehen früh auf, damit nach der Arbeit noch viel vom Tag übrig ist. SK: Was bedeutet es für den Organismus, wenn man ständig früh aufsteht, obwohl der Körper eigentlich anders gepolt ist? Spork: Vier Fünftel der Bevölkerung stehen an mindestens fünf Tagen der Woche mit dem Wecker auf. Und wer einen Wecker benötigt, um aufzustehen, der steht zu früh auf, agiert gegen seine innere Uhr. Man ist nicht ausgeschlafen, auf Dauer resultiert ein Zustand chronischen Schlafmangels. Ein solches Schlafdefizit kann krank machen. Es erhöht das Risiko fast aller psychischer Leiden wie Depressionen, Burnout oder ADHS bei Kindern; es bringt den Stoffwechsel durcheinander, kann zu Übergewicht und Diabetes führen, macht uns unkonzentriert und reizbar, lässt uns schneller altern. Physiologisch gesehen verursacht Schlafmangel toxischen Dauerstress für den Organismus und erhöht daher auch das Risiko klassischer Stresskrankheiten, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, bis hin zu Krebs. Bei Menschen, die ohnehin eine Veranlagung zu bestimmten Krankheiten haben, kann Schlafmangel der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Weiterlesen ... |
Unterschätzte Gefahr SekundenschlafMüdigkeit hinterm Steuer20.02.2015![]() Foto © logpr.de Der größte Teil aller Verkehrsunfälle ist auf menschliches Versagen zurückzuführen – und der berüchtigte Sekundenschlaf spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer sich müde ans Steuer eines Fahrzeugs setzt, riskiert nicht nur das eigene, sondern auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer. Oft nimmt man die kleinen Aussetzer, die in die Katastrophe führen können, gar nicht bewusst wahr. Dabei kündigt sich der Schlaf meist lange vorher an. Das Team der Schlafkampagne erklärt, worauf man achten muss und wie man sicher ans Ziel kommt. Weiterlesen ... |
Die innere Uhr reagierte auf den Rhythmus des MondesNun ist es wissenschaftlich bewiesen – Vollmond stört den Schlaf - oder auch nicht01.08.2013![]() Foto © olly - fotolia.com Gut schlafen auch bei Vollmond! Mehr zum Thema auf anderen Seiten:
Schläft man bei Vollmond wirklich schlechter? Lesen auf www.bettenrid.de Weiterlesen ... |
Schlafwandeln - es kann jeden Treffen15.10.2009Autorin Franziska Manske auf den Spuren eines Schlafwandlers. |
Zerknirschte Nächte - Warum verspannte Kaumuskeln ein Grund sind, über Stress nachzudenken25.09.2009Unerklärliche Spannungskopfschmerzen, |
Michael Jackson litt unter großen Schlafstörungen16.06.2011Die Trauerfeier um den Mega-Star Michael Jackson sprengt alle Dimensionen. Während seine Fans noch immer trauern, berichtet sein Trainer, dass er unter grossen Schlafstörungen litt. Dieses hatte erheblichen Einfluss auf seinen gesundheitlichen Zustand. Weiterlesen ... |
Einschlafen, Durchschlafen, Aufwachen - Schlafhygiene etwas anders gesehen16.06.2011Das mit dem Einschlafen ist manchmal schon etwas verhext. Je mehr wir schlafen wollen, desto weniger geht es. Der Schlaf kommt einfach oder er kommt nicht. Fest steht, bewusst oder auf Kommando einschlafen können wir nicht. Weiterlesen ... |