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Jeder schläft anders
Tag der Rückengesundheit soll aufklären

Guter Schlaf - gesunder Rücken

von Gerrit Wustmann

Die Rückengesundheit ist ein Modethema – so mag es manchmal erscheinen. Doch statistisch gesehen leidet jeder dritte Deutsche unter Rückenschmerzen. Grund genug, das Problem ernst zu nehmen, das unzählige unterschiedliche Ursachen hat. Im März gibt es zweimal besondere Anlässe, sich eingehender damit zu befassen: Am 15. März wird der Tag der Rückengesundheit begangen, am 19. März ist Weltschlaftag. Doch was hat der Rücken mit dem Schlaf zu tun?

Rückenschmerzen haben vielfältige Ursachen. Hierauf und auch auf Präventionsmaßnahmen soll mit dem Tag der Rückengesundheit am 15. März aufmerksam gemacht werden. Kurz darauf folgt am 19. März der Weltschlaftag. Wenn es um den Rücken geht, hängt beides zusammen, denn schlechter Schlaf und ein unbequemes, nicht rückengerechtes Bett können Rückenprobleme auslösen. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) hat sich nicht nur Aufklärung und Beratung zum Ziel gesetzt, sondern engagiert sich auch in der Forschung zum Thema Rückenleiden.
Detlef Detjen von der AGR sagt, beim Schlaf müsse man vorwiegend zwei zentrale Punkte beachten: das richtige Bettsystem und die Schlafhygiene: „Es ist sehr wichtig, worauf man schläft, aber eine Toplösung für alle gibt es nicht, die Unterschiede in den individuellen Anforderungen sind groß. Wir favorisieren ein Bettsystem, das heißt eine Kombination aus Matratze und Unterfederung, wobei es sich bei der Unterfederung nicht mehr um das klassische Lattenrost, sondern um modernere Systeme handelt. Die Matratze muss auf die Bedürfnisse des Nutzers abgestimmt sein, vor allem auch auf seinen Körperbau.“
Den klassischen Bauch-, Seiten- oder Rückenschläfer gebe es so nicht, sagt Detjen weiter. Ein gutes Bett müsse den Schläfer in jeder Lage optimal unterstützen und für eine gerade Wirbelsäule sorgen. Denn im Schlaf drehen und wende sich der Mensch im Schnitt sechzig Mal. Eine Aussage, die aufhorchen lässt. Denn immer mehr Bettenhersteller und Hersteller rückenorientierter Produkte werben mit dem „bewegungslosen Schlaf“ – sie lassen sogar in Schlaflaboren nachweisen, dass man auf ihren Produkten ruhiger schläft und behaupten, das sei gesünder. Oft werden diese Botschaften wissenschaftlich untermauert, um das Vertrauen zu gewinnen. Detjen von der AGR hält das für Unsinn. „Das Gegenteil ist richtig. Je weniger man sich im Schlaf bewegt, desto höher ist das Risiko, Rückenschmerzen zu bekommen“, sagt er. Denn es sei medizinisch erwiesen, dass die Bandscheiben Be- und Entlastung brauchen, um sich nachts zu regenerieren, ebenso benötigen die Muskeln die Bewegung zur Durchblutung.
Beim näheren Hinsehen erscheint das nur logisch. Wer im Krankenhaus lange ans Bett gefesselt ist, bekommt in der Regel Thrombosespritzen, bettlägerige Patienten werden regelmäßig gewendet, nicht nur, um ein Wundliegen zu vermeiden, sondern auch zur Verbesserung der Blutzirkulation. „Die Kunden verwirrt es natürlich, wenn sich die Aussagen von Medizinern und Herstellern mitunter so deutlich widersprechen.“ Im Zweifel sollte man also die Werbeversprechen eher ignorieren. Ihr einziger Zweck ist es, Produkte zu verkaufen. Auch die „wissenschaftlichen Ergebnisse“, mit denen geworben wird, sind laut Detjen oft zweifelhaft. Solche Untersuchungen kann man kaufen, ihre Unabhängigkeit ist nicht garantiert.
Detjen weiter: „Viele Hersteller von Schaummatratzen, wie zum Beispiel Tempur, oder auch Wasserbettenhersteller, werben damit, dass man in ihren Betten ruhiger schläft, und tatsächlich lässt sich nachweisen, dass man sich in bestimmten Betten eben nur noch zwanzig statt sechzig Mal pro Nacht dreht oder bewegt. Nur gesund ist das nicht, das bestätigt jeder Mediziner.“
Aber schon tagsüber muss man vorsorgen. Wir leben in einer Zeit der Bewegungsarmut, viele Menschen arbeiten sitzend, da sind Probleme mit dem Rücken vorprogrammiert, die hohen Erkrankungsraten kaum verwunderlich. Man solle sich so oft wie möglich bewegen, rät Detjen, und zudem auf ein rückengerechtes Umfeld achten, zum Beispiel einen ergonomisch passenden Schreibtischstuhl anschaffen. Ebenso wichtig sei beispielsweise die Ernährung, denn auch Übergewicht könne sich negativ auf die Gesundheit des Rückens auswirken. Stress und psychische Probleme, das zeigen die Zahlen der Krankenkassen, führen ebenfalls zu Rückenbeschwerden. Detjen: „Nicht zuletzt deshalb lautete unser Motto zum letzten Tag der Rückengesundheit: Der Rücken beginnt im Kopf.“
Der Neurobiologe Peter Spork legt darauf ebenfalls ein besonderes Augenmerk: „Bei somnologischen Schlafstörungen bringt es meist nichts, die Matratze zu wechseln. Generell sollte auch abgeklärt werden, ob ein orthopädisches Problem vorliegt, das behandelt werden muss. Der Orthopäde kann dann meistens auch eine individuell passende Matratze empfehlen.“
Dies gilt aber nicht nur fürs Bett, sondern auch für andere Rückenprodukte wie beispielsweise spezielle Kissen oder Auflagen. Auch wenn die Werbung gegenteiliges behauptet, oft ist eine medizinisch sinnvolle Wirkung nicht vorhanden, vieles kann sogar schädlich sein. Man sollte also auch von schnellen Schnäppchenkäufen im Internet eher absehen. Schlafprodukte brauchen eine professionelle und individuelle Beratung, und im Zweifelsfall braucht man einen persönlichen Ansprechpartner, den man am ehesten im stationären Fachhandel findet.
Der Tag der Rückengesundheit und der Weltschlaftag bieten im März zahlreiche Veranstaltungen und Möglichkeiten, sich weitergehend über das Thema zu informieren und sich – oft kostenlos – beraten zu lassen.