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Goodnight Nobody - ein Reise durch die Nacht

von Frank Chudoba
Der Kinofilm Goodnight Nobody startet am 15. März in deutschen Kinos.
Foto © DOCMINE Productions AG

„Goodnight Nobody“ nimmt uns mit auf eine Reise durch die Nacht, durch den Raum und die Zeit. Die vier Hauptfiguren aus vier Kontinenten teilen das selbe Handicap: Sie können nicht schlafen. Auf unterschiedliche Art stellen sie sich der Tatsache, ohne Unterbruch rund um die Uhr leben zu müssen. Vier Arten, Zeit zu töten.

Ihre Geschichten folgen dem Rhythmus der Nacht, wie flackern- de Träume in ruhigen Tiefschlafphasen. Erzählungen werden zu Fragmenten, der Übergang zwischen Realität und Phantasie wird fließend und es entsteht ein Sog, der den Zustand der Schlaflo- sigkeit nachempfinden lässt. Eine hypnotische Reise durch die schönste aller Filmkulissen: die Nacht.

Quelle: www.goodnightnobody.com

Der Film

Gelber Sand in der Luft legt einen Weichzeichner über Jérémies Nacht in Ouagadougou, Burkina Faso. Jérémie ist der einzige Nachtwächter der Stadt, der nicht schläft. Wenn alle weg sind, wird das leere Theater, das er zu bewachen hat, zur Schaubühne seiner Phantasien und Träume. Die Nacht macht ihn zum Regis-seur, die streunenden Katzen zu seinen Schauspielern.
Fedir ist aus der Presse und etlichen Talkshows als „Mister Schlaflos“ bekannt. Mit seinen 20 Jahren ohne Schlaf lebt der Ukrainer die Existenz eines medizinischen Phänomens. Die Nacht in der abgelegenen Provinz nahe der weissrussischen Grenze ist dunkel und still. Die Hoffnung auf nächtliche Erholung hat Fedir längst aufgegeben. Er sehnt sich vielmehr nach Ruhe. Ruhe vor den Sensationsgierigen dieser Welt.
In Arizona fährt Mila ziellos durch menschenleere Vororte auf der Suche nach irgendeiner Beschäftigung. Die Amerikanerin ist Meisterin im Zeit tot schlagen und besitzt nach jahrelanger Übung einen ausgefeilt kreativen und witzigen Umgang mit der Langeweile.



Mitten im Moloch Shanghai ist Lin Yao’s Nacht ein Albtraum im Wachzustand. Die junge Chinesin lässt der Leistungsdruck nicht schlafen. Die Nachttischlampe lässt sich ausknipsen, nicht jedoch die Gedanken, die Spuren des Lebens. Vor lauter Lernen kann sie nicht mehr schlafen. Und ohne Schlaf nicht mehr richtig lernen. Ein Ausharren im Treibsand, wach und ausgeliefert dem psychischen Verdauungsprozess, den andere geschützt in ihren Träumen durchleben.
Lin Yao, Mila, Fedir und Jérémie. Ihre Geschichten folgen dem Rhythmus der Nacht, wie flackernde Träume in ruhigen Tiefschlafphasen. Ihre Erzählungen werden zu Fragmenten, der Übergang zwischen Realität und Phantasie wird fliessend und es entsteht ein Sog, der den Zustand der Schlaflosigkeit nachempfinden lässt. Eine hypnotische Reise durch die schönste aller Filmkulissen:
Die Nacht.

Gedanken der Regisseurin

Die Schlaflosigkeit verfolgt mich seit meiner Kindheit. Mit einem eingefleischten Insomniac als Mutter war das Thema omnipräsent. Wie lebt man ohne Ruhe? Wie fühlt sich das an? Wie krieg ich das zurück? Fragen, die an unserem Tisch immer wieder aufs Neue diskutiert wurden. Es ist absurd, als hätte man so was Normales wie das Lachen verlernt.
Insomniacs sind in meinen Augen Helden. Dies behaupte ich im Wissen, wie mich eine einzige schlaflose Nacht zurichtet. Meine Nerven sind ausserhalb der Haut, die Antennen weit ausgefahren. Man hat einen gläsernen Schädel, durch den ungehemmt und ungefiltert alles, alles! ins Gehirn dringt, was um einen herum vorgeht. Zu dem Schrott, den man nachts nicht los wird, weil man nicht schläft, gesellt sich eine Unmenge neuen Schrotts, und aller Schrott zusammen erzeugt einen Überdruck, der einen schreien lassen möchte. Das fiese daran: Schlaflosigkeit macht nicht schläfrig, sondern schrillwach! Ein Zustand, der Ähnlichkeit mit einem Kokainrausch haben mag und, so qualvoll er ist, auch Lust erzeugt.

Doch das Problem an der Schlaflosigkeit ist nicht die Nacht, son- dern der Tag. Denn da ist einfach zu viel los. Zu gross ist das Getümmel, zu viele Gesichter schreien uns stumm ihre verworrenen Geschichten entgegen, zu viele unerwünschte Gesprächsfetzen aus anderer Leute Leben hängen in der Luft. Man braucht einen einsamen Fluchtpunkt, eine Übersicht. Die Nacht ist gut dazu. Sie gehört einem plötzlich ganz alleine. Grosse Gedanken kriegen Raum und Zeit, unglaublich viel Zeit sogar, weil es sich anfühlt, als würde der Tag nie mehr zurückkommen. Und plötzlich will man auch nicht, dass er zurückkommt. Es gibt sowas wie einen Sog, die Nacht übernimmt das Ruder, man wird zum Objekt, das allen Emotionen ausgeliefert ist, die tags keinen Platz kriegen. Man befindet sich in einem Zustand des permanenten Übergangs.

Mich fasziniert dieser Zustand ungemein. Ich wollte mit meinem Film in die Köpfe der Menschen, die damit leben und mit den Mitteln der filmischen Illusionskraft Zugang zu dieser Welt schaffen. Doch wie hält man einen Zustand fest? Mein Ziel war es, die Geschichten der Menschen im Rhythmus der Nacht zu erzählen. Aus Lebensgeschichten werden Fragmente, Stille tritt ein, men- schenentleerte Plätze und Strassen kriegen ein Eigenleben und wirken mit. Die Phantasie- und Traumwelt nimmt Überhand, die Grenzen zur Realität verschwinden. Dabei wird die Filmmusik als weitere Ebene eingesetzt, den inneren Zustand nachzuzeichnen. Harmonie wird gebrochen und kippt in etwas Schmerzhaftes, verstärkt den Sog, der einem mitzieht durch diese „andere Nacht.“
Für diese Reise durch die Nacht suchte ich nach möglichst unter- schiedlichen Arten des Wachens, nach divergenten Hintergründen. Auch die äusseren Einflüsse waren mir wichtig, die mannig- faltigen Gesichter einer Nacht, geografisch wie auch kulturell. Ich schickte unzählige e-mails rund um den Erdball. Zwei Jahre und unglaublich viele Lebensgeschichten später habe ich mich für meine vier Protagonisten entschieden.
Ich reiste mit meiner Crew durch die Nächte von Ouagadougou, Shanghai, Arizona und einem kleinen Dorf in der Ukraine. Faszinie- rend, wie verschieden die Stimmungen waren, die Geräusche, die Farben. Wir entdeckten das Dunkel der Nacht jedes Mal in einem neuen Licht. Die Nacht ist für den Film gemacht. Ich war begeis- tert von der Schönheit, der Melancholie dieser Leere. Was im Ta- geslicht banal wirkt, kriegt nachts ein geheimnisvolles Eigenleben.
Bei Sonnenaufgang zogen wir uns jeweils müde und zufrieden in die Hotelbetten zurück, während unsere Protagonisten wach auf die nächste Drehnacht warteten. Helden halt.

www.goodnightnobody.com