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Jeder schläft anders

Der Alkoven auf dem Vormarsch

von Joachim Becker

Foto © ©: Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum, 24113 Molfsee, Foto: Beate Czerwinski

Der „Alkoven“ kam auf. Dieser Begriff wurde in die europäische Baukunst übernommen und man bezeichnete damit einen klar abgetrennten fensterlosen zum Schlafzimmer bestimmten Nebenraum mit nischenartigem Anschluss an ein größeres Zimmer. 
Alkoven befanden sich zumeist in den Trennwänden zwischen den einzelnen Kammern (quasi als Wandschränke) und sie wurden früher oft über den Tierställen untergebracht waren (Tiere strahlen Wärme ab). In niederdeutschen Bauernhäusern im 13. -15. Jahrhundert konnten Alkoven meist in der unbeheizten Stube sowie in den Hausnischen zwischen Diele und Wohnteil nachgewiesen.
Die fest eingebauten Alkoven (Wandbetten) wurden mit Vorhängen, Schiebetüren oder Klapptüren verschlossen. Unter der Schlafebene befand sich meist noch ein Vorratsfach. 
Die erwachsenen Bewohner schliefen jeweils zu zweit in den Alkoven. Dies galt für alle, also sowohl für den Bauern als auch für Knechte und Mägde werden.
Ein solcher vornehmer Alkoven ist auch in der Kammer des Königs von Schweden, Karls IX. (1550-1611) auf Schloss Gripsholm erhalten, ein eingebautes Nischenbett mit bemalten Vertäfelungen. 
Der Begriff „Alkoven“ ebenfalls im adligen Schlossbau in Frankreich/Paris im 17- Jh. im Gebrauch und bezeichnete in einem Schlafzimmer den abgesonderten kleineren Raum, in dem das Bett stand.
Aber miteinander ins Bett gehen und miteinander schlafen lag damals noch weit auseinander. Wer Kleidung anbehielt, signalisierte damit ganz klar, dass er nicht die Absicht hatte, sich im Bett anderem hinzugeben als dem Schlaf. Als der Ritter Lanzelot bei einer Dame übernachten musste, die sich in ihn verliebt hatte, behielt er einfach sein Hemd an, um wortlos mitzuteilen, dass er ihre Neigungen nicht teilte.
Nacktheit war nicht für eine Frage der Moral. Die ganze Familie schlief nackt in einem Raum, oft in einem einzigen Bett. Es war selbstverständlich, dass Gäste beiderlei Geschlechts in Herbergen mit anderen, ihnen fremden Gästen das Bett teilten. Hätte sich ein Gast geweigert, oder seine Kleider nicht abgelegt, so wäre er in den Verdacht geraten, krank oder missgestaltet zu sein.
Die Privatsphäre gewann später zunehmend an Bedeutung. Das Bett verschwand aus dem Wohnzimmer und wurde in einem abgetrennten Schlafzimmer versteckt. Das Doppelbett kam auf und führte zunächst nur die Wohlhabenden nachts wieder zusammen. Heute ist es aus der Partnerschaft kaum mehr wegzudenken und vorwiegen auf westliche Kulturen begrenzt.
Früher schliefen die Menschen, wie bekannt, meist zu mehreren in einem Bett. Generell war das Schlafen in Gruppen vom Urmenschen bis zum modernen Menschen die Regel. Im späten Mittelalter veränderten sich langsam die Schlafgewohnheiten, man erkannte, dass auch in der engsten Partnerschaft jeder Mensch eines gewissen Freiraums bedarf, denn in Bauern- oder Bürgerhäusern, auf Burgen und Schlössern hatte jeder hatte seine eigene Schlafkammer. In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu wissen, dass das Wort "Beischlaf" daher rührt, dass man dazu das Schlafgemach des Partners aufsuchen musste.
Die Anfänge einer verstärkten innerhäuslichen Differenzierung fand man eher in den Machtzentren, den Städten und Höfen, die Schlafräume der französischen Könige werden zu einem Modell. Bald übernehmen wohlhabende Stadtbürger ähnliche Raumdifferenzierungen, kennen jetzt auch ein Zimmer der Dame oder des Herren. Die ländlichen Bezirke wandeln sich dagegen viel langsamer.
Während der Epoche des Barocks (etwa von 1575 bis 1770) diente das Schlafgemach, wenn es denn eines gab, keineswegs als privater Bereich, auch nicht für Könige oder Kaiser. In dieser Zeit wandelte sich die gesamte Einstellung der Natürlichkeit. Plötzlich war es nicht mehr sittsam, sondern sündhaft offene Sexualität zu leben. Eltern sollten sich nicht mehr nackt vor ihren Kindern zeigen und somit wurde auch das gemeinsame Schlafen unterbunden.
Allmählich stieg der Luxus, die Ausstattungsstücke der Betten vermehrten sich. Die großen Gemeinschaftsbetten verschwanden, ins Zentrum des Raumes rückt ein riesiges, erhöhtes Paradebett, in dem ein einziger (wohlhabender) Mensch thronte. Dieses diente nicht zum Schlafen, sondern sie waren nur zur Repräsentation aufgestellt. Dort wurden diejenigen vornehmen Personen, namentlich fremde Gesandte, empfangen, welche zwar nicht zum Betreten des Schlafzimmers berechtigt waren, aber doch vor den übrigen Höflingen ausgezeichnet werden sollten.
Die Barockzeit entstand das Parade-Schlafzimmer und dies wurde immer mehr zum Statussymbol, Repräsentationsobjekt und gesellschaftlichen Treffpunkt. Es war nicht ungewöhnlich, dass die Herrscher Delegationen im Schlafzimmer empfingen.

Als Paradezimmer bezeichnete man eine Abfolge von Räumen in Schlössern und Residenzen, die hauptsächlich der Repräsentation dienten und in der Regel nicht oder nur selten bewohnt wurden.
Das Paradeschlafzimmer der Reichen mit seiner prächtigen Ausstattung diente – wie ein historischer Bericht überliefert – "nur zur Pracht, nicht zu den Bequemlichkeiten der Ruhe". Es war ausschließlich als "Schauraum" gedacht.